Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste US-Präsident der Welt der Woche

Feuilleton | Nicole Scheyerer | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Immer wieder würde er sich fragen, "sind wir nicht zu weit gegangen?", erzählte der Schauspieler Kevin Spacey in einem Interview zu seiner Rolle als US-Präsident in der Serie "House of Cards". Aber wenn er dann die Nachrichten einschalte, würde ihm stets klar, dass die Serie noch viel zu harmlos sei.

In der vierten Staffel erleben wir den durchtriebenen Machtmenschen Frank Underwood so schwach wie noch nie. Auf einem Höhepunkt der Serie muss er sich sogar im Weißen Haus als "Motherfucker" beschimpfen lassen, ohne dass er Sanktionen setzen könnte. Frank kämpft an allen Fronten: Nicht nur gegen zwei republikanische Präsidentschaftskandidaten und interne Widersacher, sondern auch gegen seine First Lady Claire, die ihrem Gatten am Ende der dritten Staffel den Rücken gekehrt hat.

Aber der Sohn einfacher Farmer beherrscht die Kunst des Krieges, und ihm beim Einstecken von harten Schlägen und dem Ausholen zu Gegenangriffen zuzuschauen, bereitet eine perfide Freude. Wenn Spacey etwa einen eigenen Albtraum schildert, um seiner Außenministerin mit dem Schlimmsten zu drohen, dann läuft sein diabolisches Talent zu Hochtouren auf. Man könnte diese Kolumne freilich auch der Präsidentengattin Claire widmen, die in den neuen Folgen endgültig aus dem Schatten ihres Mannes tritt. Ihr eiskalter Charakter fasziniert und stößt zugleich ab. Amoralischer Machthunger bei einer Frau, ist offensichtlich immer noch unheimlicher als bei einem Mann.

Claires Alter Ego ist und bleibt jedoch das schwarze Herz des Kartenhauses. Er hat als Einziger echte Leichen im Keller, von denen seine Frau nichts weiß. In der stahlharten Personalunion, die er mit Claire wieder schmiedet, bleibt er derjenige, der um den wahren Preis der Macht weiß.


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