Menschen

Dylan, Daughter, Distelmeyer


Lukas Matzinger
Kolumnen/Zoo | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Während das Kunsthistorische Museum bei der volksnahen "Gemma Museum"-Aktion unter anderem die Dragqueen Tiefe Kümmernis durch die Räumlichkeiten führen ließ und beim großen Schallplattenflohmarkt in der Bunkerei in erster Linie Nobelpreisträger-Vinyl von Bob Dylan nachgefragt und angeboten wurde, während die Homosexuelle Initiative (Hosi) Wien den Zuschlag für die Riesensause Europride 2019 bekommen hat und das Künstlerhaus mit der großen Eröffnungssause sein zwischenzeitliches Zuhause in einer Margaretener Wohnsiedlung bezogen hat, war die zurückliegende Woche in Wien auch eine der großen bunten Benefizveranstaltungen.

Am Montag brachte die "Wider die Gewalt"-Gala unter Mithilfe von Rainhard Fendrich, Conchita Wurst, Angelika Niedetzky und diversen Ministern mehr als 100.000 Euro für die Opfer von Gewalt zusammen. Am Samstag wurden im Rathaus bei der "Life Goes On"-Gala sieben Menschen geehrt, die Schicksalsschlägen heldenhaft trotzten. Übergeben wurden die Preise unter anderem vom gelähmten Schauspieler Samuel Koch, der Stadträtin Sonja Wehsely und dem tschechischen Pianisten Josef Bulva. Das Haydn Symphony Orchestra Vienna, die Staatsopernsängerin Aura Twarowska und der African Gospel Choir traten dazwischen auf.

Beim heurigen Literaturfestival der Schule für Dichtung war Rührung gefragt. "Tausend Tränen tief" wollte der Journalist, Musiker und Kurator Fritz Ostermayer am vergangenen Wochenende gehen. Da wollte auch der Urheber dieses Titels dabei sein. Jochen Distelmeyer, der 1999 mit seiner Band Blumfeld ein Lied mit dem Titel "Tausend Tränen tief" geschrieben hatte, las am Freitag im Literaturhaus Stellen aus Büchern und Liedern, die ihn berührten. Am Ende sang er. Am Samstag diskutierte der Falter-Kritiker und Autor Klaus Nüchtern mit Daniela Strigl und Andrea Grill.

Daughter ist nach ziemlich vielen Gesichtspunkten eine ziemlich große Band. Millionen von Sympathisanten haben manche ihrer Lieder in den vergangenen sechs Jahren über alle Erdteile verbreitet - was dazu führte, dass Daughter inzwischen in ziemlich vielen Ländern ziemlich große Hallen ausverkauft. Seit einer Woche gehört Österreich dazu. Vergangenen Mittwoch haben die Engländer Daughter bei ihrem allerersten Wien-Besuch die Arena vollgespielt. Und da passte einiges zusammen: Der resche Wind, der graue Himmel über der Halle, der garstige Wiener Oktober, es war wie ein Anerbieten für diese Musik. Daughter ist eine Herbstband vor dem Herrn - Arbeitsgruppe Elektro-Indie-Folk, Referat für melancholische Angelegenheiten. Wo es sich als Publikum im edlen Schmerz nur so winden lässt. "Cause most of our feelings, they are dead and they are gone /We're setting fire to our insides for fun", sang Prima Daughter Elena Tonra gegen Ende im Lied "Youth", das auf Youtube fast 100 Millionen Aufrufe hat. Es gelang.


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