Neue Bücher Väter, Söhne, Israel

Feuilleton | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Dmitrij "Dima" Kapitelman hadert. Was hat seinen in Kiew so lebenslustigen Vater in einen hasenfüßigen Krämer verwandelt, der immer noch kaum Deutsch spricht? War es ein Fehler, vor dem ukrainischen Antisemitismus 1994 nicht nach Israel, sondern nach Leipzig zu fliehen? Weil Dima auch an der eigenen Wurzellosigkeit kiefelt, schlägt er vor, gemeinsam die "logische Heimat aller Juden" zu besuchen.

In Israel bekommen Vater und Sohn zwar keine eindeutigen Antworten, dafür darf sich der Junior in eine Palästinenserin verschauen und der radikal agnostische Senior ein paar Schritte zurück in die Glaubensgemeinschaft tun. Kapitelman neigt dazu, seine Befindlichkeiten recht ausführlich zu erklären. Aber sein Buch ist thematisch relevant, flockig formuliert und die Ironie gut dosiert. Wenn es etwa um die von der Polizei unbehelligten sächsischen Nazis geht, kennt der Autor keine falsche Diplomatie. DOMINIKA MEINDL

Dmitrij Kapitelman: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters. Hanser Berlin,


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