Die Zierde des Herbstes

Die Chrysantheme ist weit mehr als die plastifiziert wirkende Friedhofsblume, als die sie einem rund um Allerheiligen viel zu oft entgegentritt

STADTLEBEN | BERICHT: JULIA KOSPACH ILLUSTRATIONEN: IRIS RUBIN | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

In China, wo die Chrysantheme herkommt, hängt man dem uralten Glauben an, dass dem Erreichen eines hohen Alters nichts mehr im Wege stehe, wenn man a) regelmäßig das eine oder andere Chrysanthemenblütchen verzehrt, b) sich häufig und ausdauernd in die Betrachtung von Chrysanthemen versenkt oder c) zu seinem Lebensmittelpunkt eine Umgebung wählt, in der besonders viele Chrysanthemen wachsen. Natürlich soll Letzteres jetzt keine Aufforderung darstellen, sich häuslich auf einem hiesigen Friedhof einzurichten. Das Beispiel zeigt eher, wie ein und dieselbe Blume am östlichen Ende der Seidenstraße das Symbol für ein langes Leben sein kann, während sie bei uns, am westlichen Ende, das genaue Gegenteil repräsentiert, nämlich das Totengedenken rund um Allerheiligen.

Es ist zweifellos ein und dieselbe Eigenschaft der Chrysanthemen, genauer gesagt: der Herbstchrysanthemen, botanisch Chrysanthemum-indicum-Hybriden, die so unterschiedliche kulturelle Deutungen erlaubt: nämlich dass sie

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