Kunst Kritik

Flüstern, bis sich die Balken biegen

NS | Lexikon | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Das Märchen "Prinzessin auf der Erbse" endet nicht bloß mit einer Happy-End-Hochzeit, sondern auch mit dem Hinweis, dass die vexierende Hülsenfrucht fortan in der Kunstkammer des Schlosses ihren Platz fand. Wer den winzigen, in silber gefassten "Erbsenohrring" in der Schau von Anna-Sophie Berger im Mumok nicht übersieht, mag sich an die Hans-Christian-Andersen-Geschichte über blaublütige Hypersensibilität erinnern.

Die 1989 geborene Wienerin hat den erstmals vergebenen Kapsch Contemporary Art Prize gewonnen. Das Verspielte - mal sanft, mal grob - macht einen großen Teil des Charmes in Bergers Preisträgerschau "Places to fight and to make up" aus. Dominiert wird der Raum von zwei Parabolobjekten, die eigentlich als Kommunikationsobjekte auf einem Spielplatz im dritten Bezirk stehen (und nach der Schau auch wieder dorthin zurückkehren werden). Wenn man in die eine Schale hineinflüstert, sind die Worte in der gegenüberliegenden hörbar.

"Die" echten Schmiergraffiti auf den Objekten passen gut zu den Bierbänken dahinter, die wie von einem Vandalen in der Mitte zerschmettert wurden. Mit Titeln wie "the kids are alright" und "agony half-hourly" nimmt Berger den Demolierungsskulpturen jedoch die Schärfe. Wäre da noch die Figur des Hofnarrs, den Berger als "Drunk or Dead" betitelten Papierumriss auf den Boden legt, und ein vierfarbiger Filzhut, der von weitem karnevalesk, aber aus der Nähe wie ein edles Accessoire wirkt. Eine künstlerische Handschrift strebt Berger offensichtlich bewusst nicht an, sie bleibt in ihren performativ angelegten Arbeiten auf Du und Du mit dem Alltag und dem Zufälligen. In tiefere Schichten führt ihr "Manual", ein in der Schau aufliegendes Künstlerbüchlein, das definitiv neugierig auf mehr macht.

Mumok, bis 29.1.


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