Tiere

Spasstiker

KOLUMNEN | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Der Dachverband Clowns in Medizin und Pflege forderte die Medien auf, in Zukunft den Ausdruck Grinsefratze „für wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf armselige Weise ausleben“, zu verwenden. Nein, damit waren nicht bestimmte Politiker gemeint, aufgrund deren tölpelhaften Verhaltens und ihres vorgeführten Scheiterns uns oft das Lachen im Hals steckenbleibt. Die Presseaussendung betraf sogenannte Gruselclowns, die zurzeit in den bundesdeutschen Schlagzeilen auftauchen. Österreich wäre auch gerne bei diesem „Trend“ dabei, doch bislang stalkte in der Oststeiermark nur ein Autofahrer auf einem Park&Ride-Parkplatz „eine als Clown verkleidete Person“, deren Eltern danach via Facebook „eine gerechte Strafe“ für ihr Kind ankündigten. Gruselig.

Der Deutsche ist halt eher spaßbefreit. Aber hierzulande haben wir eine traditionelle Terrorkultur in Form der Perchtenläufe, wo man keine Clowns braucht, um zum Spaß auf Schenkel und andere Körperteile zu klopfen. International sieht die Lage ganz anders aus: Die World Clown Association klagt sogar über einen Mangel an Clowns und sieht die Schuld bei der heutigen Jugend. Diese hätte „alles andere im Sinn als Clownereien“ und würde vor allem „akademische Karrieren anstreben“. Eine echte Sauerei und kein Witz. Dramatisch wäre die Situation beim Nachwuchs, weil dieser „nicht lange genug bei seinen Clownereien bleibt, um professionelles Niveau zu erreichen“, meint man in einem Land, in dem Donald Trump Präsident werden könnte. Auch gruselig.

Ich hingegen fände es nicht lustig, wenn sich der Dachverband der Aquarienfischhändler jetzt auch um das Image des beliebten Clownfisches Sorgen machen würde. Diese leuchtend orange gefärbten und weiß quergestreiften Meeresfische sind seit dem Animationsfilm „Findet Nemo“ und der jetzt angelaufenen Fortsetzung „Findet Dorie“ auch einem breiten Publikum bekannt. Was viele jedoch nicht wissen – und im Film auch nicht korrekt dargestellt wird –: Diese Tiere werden alle als Männchen geboren. Sie leben in sozialen Haremsgruppen, wobei nach dem Tod des einzigen und dominanten Weibchens der jeweils größte Clownfisch sein Geschlecht umwandelt und zum Weibchen wird. Bei einer wertkonservativen Familienunterhaltung à la Disney könnten solche Wahrheiten dann doch auch einige erschrecken.


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