Ein Lokal gibt sich die Kugel

Ein ehemaliger Industriemanager kocht am Volkertmarkt Rundes

STADTLEBEN | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER FOTO: HERIBERT CORN | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016


Foto: Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow

Don’t be square“ hat David Robitschek in seinem neuen Lokal am Volkertmarkt stehen, ein Motto, an das er sich mit aller Konsequenz hält. Denn in seinem „Ballsy“ (englisch für draufgängerisch) geht es um die Kugel. Das fängt bei den Outdoor-Tischen aus entzweigesägten Tischtennistischen an, die man im Sommer auch zusammenstellen und mit Netz versehen kann, geht über die Dekoration in Form von Globen bis zum Essen, „das Knöderl ist kulturübergreifend“, sagt David Robitschek, „in jeder Esskultur gibt es irgendwelche bällchen-förmigen Speisen“.

Überhaupt wurde beim Ballsy viel gedacht, geplant und gesucht. Die Sessel stammen aus einem aufgelassenen Gasthaus in der Nähe von Krems, die grauen Resopaltische aus einer Schule bei Steyr, die Theke wurde aus einem alten Kachelofen gemacht, der softe Hintergrund-Jazz kommt aus runden Audiorama-Lautsprechern aus den 70ern. Das ergibt insgesamt eines der schönsten, straightesten Markt-Lokale seit sehr langer Zeit, und zwar hier am Volkertmarkt statt auf einem der hippen Märkte, „weil uns hier gefällt, dass es noch ein bisschen räudig ist“.

Bis vor ein paar Monaten war David Robitschek jedenfalls noch Industriemanager und flog das ganze Jahr in der Welt herum, ein Jahr Väterkarenz ermöglichte dem Mann der Hidden-Kitchen-Betreiberin Julia Kutas nun aber, sich auch solchen Projekten zu widmen; und etwa golfballgroße Mini-Wassermelonen in Essig einzulegen, auf dass man eine Art kugelrundes Essiggurkerl erhält; oder einen Bio-Fleischhauer zu finden, der fürs Ballsy kleine Leberkäsekugeln herstellt.

Sieben verschiedene Knöderln werden derzeit angeboten, vier mit Fleisch, drei vegetarisch/vegane, man wählt für ein Ballsy-Menü die Art der Knöderl (drei ergeben eine Portion), eines von fünf Begleitgemüsen und eine von sieben Saucen (€ 8,90). Das klingt nach Entscheidungsschwierigkeit, gut funktionierende Kombinationen werden aber zum Glück eh aufgezählt. Die Rindfleischbällchen mit getrockneten Marillen und Quinoa waren vielleicht ein bisschen trocken, die Lammknöderln mit Pignoli, Schwarzkümmel, Raz el-Hanout und Minze dafür etwas wässrig, was sich mit etwa der Hoisin-Ingwer-Sauce oder dem Curry-Limetten-Aioli aber verlief.

Die Tandoori-Hühnerbällchen mit Karfiol und Schwarzem Sesam sind das Highlight der fleischigen Abteilung, die indischen Gemüsebällchen mit Kartoffeln, Erbsen und Kokos oder die knusprigen Linsen-Risotto-Bällchen siegen ex aequo in der Veggie-Sparte, Süßkartoffel-Miso stinkt ein bisschen ab.

Frittieren geht in dem kleinen Lokal wegen der Lüftung nicht, was eine ganze Menge weltbester Knöderl halt leider verunmöglicht, kreolische Stockfischbällchen zum Beispiel. Aber dafür will sich die Ballsy-Küche bald dem Thema Köttbullar widmen – wahrscheinlich aus Rind, nicht aus Pferd.

Resümee:

Ein bezauberndes neues Markt-Beisl, in dem das Runde nicht nur Dekoration ist, sondern auch gegessen werden kann.

Ballsy
2., Volkertmarkt 35
Tel. 01/890 33 57
Di–Sa 11.30–22.30 Uhr
www.facebook.com/ballsyvolkert/


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