"Niemand ist nur lieb und brav"

Die Wiener Song-Contest-Teilnehmerin Zoë tritt am Samstag mit ihrer Band im Konzerthaus auf

Interview: Gerhard Stöger | Lexikon | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016


Foto: Luise Hannah Reichert

Foto: Luise Hannah Reichert

Zoë Straub hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Im Mai sang die 19-jährige Wienerin beim Song Contest in Schweden einen modernen französischsprachigen Chanson und machte damit eine äußerst passable Figur; sie schaute bei den „Vorstadtweibern“ vorbei und hatte zuletzt im TV-Vierteiler „Pregau“ eine Schlüsselrolle als tote Dorfschönheit.

Derzeit arbeitet sie mit ihrem Vater, dem als Gitarrist des Akustikpopduos Papermoon bekannt gewordenen Musiker Christof Straub, an Liedern fürs zweite Album, das 2017 erscheinen soll. Anlässlich ihres Auftritts im Konzerthaus traf der Falter die Sängerin auf ein Soda Zitron in der Raucherecke des Café Stein.

Falter: Frau Straub, wie fühlt man sich als „schene Leich‘“?

Zoë Straub: Ein bisschen gruselig war es beim „Pregau“-Dreh schon, in einem Leichenwagen abtransportiert zu werden. Ich dachte, es sei noch eine Einstellprobe und sie würden mich ein paar Meter neben der Kamera wieder leben lassen. Tatsächlich wurde aber schon aufgenommen, also bin ich mit geschlossenem Sargdeckel für eine Weile im Leichenwagen verschwunden. Da wurde ich kurz panisch, aber dafür war dann alles im Kasten.

Sie spielen in dieser Serie eine junge Frau, die kurz vor ihrem Tod Oralverkehr mit einem Streifenpolizisten hat …

Straub: … der auch noch der Onkel meiner Figur ist, ja.

Hatten Sie da keine Angst um Ihr Image?

Straub: Was ist denn mein Image? Dass ich jung und unschuldig bin? Über eine Nacktszene hätte ich noch einmal ganz anders nachgedacht, aber da hat man ja gar nichts gesehen. Wer mich jetzt für eine Schlampe hält, hat einfach das Konzept Film nicht verstanden.

Wie lieb und brav ist Zoë wirklich?

Straub: Niemand ist nur lieb und brav, und niemand ist nur schlimm. Ich bin ein ganz normales Mädchen, das manchmal Party machen kann und oft auch arbeiten muss oder besser gesagt darf, denn dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin sehr zielorientiert, und da muss man eben auch wissen, wann man Party macht und wann nicht.

Haben Sie je rebelliert?

Straub: Es gab nichts, das über Zurückreden und den typischen Teenager-Sturheits-Wahn hinausgeht, in dem man total verblendet glaubt, eh schon alles zu wissen. Auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenwerden haut es vorübergehend eben ein paar Sicherungen raus, gleichzeitig braucht es auch für die Eltern seine Zeit zu verstehen, dass das Kind kein Kind mehr ist. Rebellion heißt bei mir eher, mal abzuschalten und vorübergehend nicht erreichbar zu sein. Das kann auch für Probleme sorgen.

Ihre Mutter Roumina Wilfling ist Model, Ihr Vater Musiker. War es da überhaupt denkbar, außerhalb des Showgeschäfts tätig zu werden?

Straub: Tatsächlich war es eher andersrum: Ich musste es durchsetzen, das zu machen. Ich habe mit dem Lycée eine ganz normale Schule besucht und wurde nie in die Musik oder die Schauspielerei hineingedrängt. Natürlich wirst du davon beeinflusst, wenn du in einem Haushalt aufwächst, in dem Musik die größte Rolle spielt. Ich habe auch mitbekommen, dass es nicht immer ein Honigschlecken ist. Trotzdem war für mich immer nur der künstlerische Bereich interessiert. Meine Mutter hat das sofort verstanden, als ich als Kind beim Kiddy Contest mitmachen wollte. Bei meinem Papa lautete der Tenor hingegen: „Du wirst noch früh genug Musik machen, wenn du möchtest.“

Ach, er ist also gar kein Eislaufvater?

Straub: Nein, aber an diesem Ruf ist er selbst schuld, weil er in Interviews ganz anders redet als zuhause. Ich sage, dass ich froh bin mit ihm zu arbeiten und dass ich ihn lieb habe. Er hingegen sagt: „Sie hat sich sehr entwickelt“ oder „Da kann man schon noch viel arbeiten.“ Mein Gott!

Für nicht Französischsprachige: Worum geht es in Ihren Liedern?

Straub: Meistens geht es um die Liebe. „Was weißt du in deinem Alter schon davon“, werde ich bisweilen gefragt. Aber nur weil man noch jung ist und nicht so viele Schicksalsschläge erlebt hat, heißt das ja nicht, dass man keine Emotionen hat, über die man schreiben möchte. Bei anderen Themen bin ich vorsichtiger, aber die Liebe? Dafür ist man nie zu jung – jeder Mensch sollte lieben und geliebt werden!

Sie spielen demnächst bereits zum dritten Mal im Konzerthaus. Ist dieser Ort nicht ein bisschen einschüchternd?

Straub: Nein, gar nicht. Das ist total schön dort und der Sound ist unglaublich gut. Ich freue mich sowieso immer, das Feeling eines ganzen Konzerts zu haben und mit dem Publikum zu sprechen. Was übrigens nicht vorbereitet, sondern improvisiert ist. Bevor ich zu sprechen beginne, weiß ich nie, was ich sagen werde. Aber genau das hilft mir, weil es einen Druck erzeugt, und dann mache ich es eh halbwegs richtig, hoffe ich.

Konzerthaus, Mozart-Saal, Sa 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige