Am Apparat Telefonkolumne

Drehen uns die Deutschen den Strom ab, Herr Urbantschitsch?

POLITIK | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Seit dem Jahr 2002 haben Deutschland und Österreich einen gemeinsamen Strommarkt ohne Handelsbeschränkungen. Damit könnte es bald vorbei sein. Die deutsche Bundesnetzagentur erwägt eine Abkoppelung des deutschen Marktes von Österreich. Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der Energieregulierungsbehörde E-Control, erklärt, was das bedeutet.

Ein gemeinsamer Markt ohne Handelsbeschränkungen ist doch im Sinne der EU. Was ist das Problem beim Stromhandel mit Deutschland?

Deutschland investiert seit einigen Jahren stark in erneuerbare Energien, zum Beispiel in Windkraft, dadurch kommt es zeitweise zu Überkapazitäten.

Und der Strom wird aus Deutschland ausgeleitet?

Ja. Strom sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes. Es gibt aber zu wenige leistungsstarke Leitungsverbindungen in Deutschland. Der Strom dringt nach Polen, Tschechien - und nach Österreich. Aus Österreich wird der Strom teilweise wieder nach Süddeutschland geleitet.

Warum?

Weil die großen Abnehmer, also die Industrie, in Süd-und Mitteldeutschland sind. Innerhalb Deutschlands sind die Leitungen aber zu schwach, um den Strom von den Erzeugern im Norden nach Süden zu bringen.

Die Umleitung des Stroms ist auch im Interesse Deutschlands. Warum soll der Handel eingeschränkt werden?

Die österreichischen Abnehmer profitieren durch das Überangebot von niedrigen Preisen. Man vertritt die Ansicht, dass der österreichische Markt wegen der niedrigen Strompreise mehr Strom ansaugt, was sich negativ auf die Netzstabilität auswirkt. Und die deutschen Konsumenten zahlen über die Ökostromabgabe letztlich mehr als die österreichischen.

Was würde eine Handelsbeschränkung für die österreichischen Konsumenten bedeuten?

Dann würden die Preise steigen. In welchem Ausmaß, ist unklar. Wir arbeiten auf jeden Fall an einer einvernehmlichen Lösung.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige