Das ergatterte Land

Ungarns Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány über seine schicksalhafte Rede und wieso Orbán stürzen wird

POLITIK | ERINNERUNG: FERENC GYURCSÁNY | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Vor zehn Jahren, im Jahr 2006, brach die Krise der dritten ungarischen Republik voll aus. Eigentlich müsste man diese Geschichte aber mit den Widersprüchen in der Vorwendezeit, also vor 1989, beginnen. Die Schaffung eines freien, unabhängigen, demokratischen Ungarn war ein großer historischer Erfolg. Wahr ist aber auch, dass für die Bevölkerung auf die relative Sicherheit im gemäßigten ungarischen "Gulaschkommunismus" des kommunistischen Ministerpräsidenten János Kádár mit dem Wendejahr 1989 eine allgemeine Verunsicherung folgte.

An diesem Punkt trennten sich die Weltanschauungen der ungarischen Linken und Liberalen von denen der Rechten und Rechtsextremen. Wir, die Linken und Liberalen, setzten auf die positive Seite der Wende; auf unsere Zukunft als Mitglied in Nato und EU. Wir versuchten die Menschen zu überzeugen, diesen Weg mit uns zu gehen, während die Rechten und Rechtsextremen ihre Politik ausschließlich auf die oft berechtigte Unzufriedenheit in der Bevölkerung gründeten.


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