Ratzfatz, eine Reportage ohne Raffinesse: "Im Namen meiner Tochter"

FEUILLETON | MO | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Die Geschichte ist so unglaublich, dass sie nur wahr sein kann. Am 10. Juli 1982 erhält der Finanzberater André Bamberski die Nachricht, dass seine Tochter Kalinka im gemeinsamen Urlaub mit seiner Exfrau und deren neuem Mann, einem deutschen Arzt namens Krombach, verstorben ist. Die näheren Umstände ihres Todes bleiben anfangs ungeklärt. Es dauert 13 Jahre, bis Bamberski die Verurteilung des Stiefvaters wegen Vergewaltigung und Mordes erreicht, und weitere 17 Jahre, bis dieser hinter Gitter kommt.

Diese Geschichte ist so groß, dass sie im Kino zwangsläufig kleiner werden muss. Regisseur Vincent Garenq, der auch am Drehbuch zu "Im Namen meiner Tochter" mitschrieb, komprimiert drei Jahrzehnte deutsch-französischen Justizversagens auf knapp anderthalb Stunden. Gefilmt ist das wie eine Reportage, ratzfatz, ohne jede stilistische Raffinesse, das Gegenteil eines "Autorenfilms", der Garenq - nicht ganz zu Unrecht -ein Gräuel ist.

Es sind die Schauspieler, allen voran Daniel Auteuil, die den Film tragen. Er verleiht dem Vater, der gegen alle Widerstände an seiner Mission festhält, den Mörder seiner Tochter vor Gericht zu bringen, ebenso wahnhafte wie zärtliche Züge.


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