Es regnet.

STADTLEBEN | PIA SCHRENK | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Wenn es draußen kalt und nass ist, ist es im 13A-Bus warm, und die Luft feucht, fast dunstig. Ständig ist das Platschen der durch Wasserpfützen rollenden Räder zu hören. Durch die mit kleinen Tropfen bedeckten Scheiben verschwimmen die Lichter der Autos, und es fällt schwer, mit dem ersten Blick zu sehen, welche Straßen man passiert. Eine Frau mit Kopftuch steigt zu. In gebrochenem Deutsch ersucht sie die Frau, die den Durchgang blockiert, etwas zur Seite zu gehen. "Bitte weggehen", sagt sie. Die Antwort kommt schnell und laut, sie ist im ganzen Bus zu hören: "Ich geh hier sicher nicht weg! Ich bin nämlich hier geboren!" Sie spricht überdeutlich, wie mit kleinen Kindern. Bei der nächsten Haltestelle senkt sich der Bus mit Seufzen. Die Frau mit Kopftuch steigt kopfschüttelnd aus. Wasser spritzt auf den Gehsteig, der Bus findet ohne sie seinen Weg durch die graue, kalte Stadt.


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