Neue Bücher Biografie eines Literaten und Autobiografie eines Arztes

FEUILLETON | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Zwanzig Jahre sind verstrichen, seit Wolfgang Matz die erste moderne, noch immer konkurrenzlose Biografie Adalbert Stifters publizierte. Danach legte er einen kleinen Buchessay ("Die Gewalt des Gewordenen. Zu Adalbert Stifter", 2005) und eine lange Interpretation des "Nachsommers" in seiner Studie "1857" (2007) vor und edierte sämtliche Erzählungen Stifters nach den Erstdrucken.

All das geht nun in die aktualisierte Fassung seines Standardwerkes ein. Dass es nun wohlfeil und gebunden, jedoch ohne Sachregister und Illustrationen aufgelegt wird, zeugt nicht eben von verlegerischer Großmut. Trotzdem darf man sich wieder an Matz' ambitioniertem Stil erfreuen, der in souveräner Vertrautheit mit Stoff und Zeit den konfliktreichen, labilen Charakter des Autors Adalbert Stifter im Werden zeigt und seine Leistungen differenziert würdigt, ohne die Abgründe und das allzu Menschliche kleinzureden.

Dieses Buch entzieht sich allen Genres. Paul Kalanithis "Bevor ich jetzt gehe" ist Autobiografie, Entwicklungsroman und Bewusstseinsessay zugleich. Vor allem aber ist es eine eindringliche Meditation über den Tod von einem Autor, der sich die Illusionen über die Sterblichkeit systematisch ausgetrieben hat. SEBASTIAN KIEFER

An Eliteuniversitäten sowohl in Literatur als auch Medizin ausgebildet, befindet sich Kalanithi am Ende seiner Assistenzzeit als Neurochirurg -und bekommt plötzlich die Diagnose Lungenkrebs. Erst nachdem er uns seine Profession und all seine existenziellen Erfahrungen dargelegt hat, wechselt er die Seite und schreibt seinem eigenen Lebensende entgegen. Die ungewöhnliche Spannung, die dem Text eingeschrieben ist, bezieht ihre Kraft aber nicht aus der literarischen Darstellung Kalanithis, sondern aus der Wahrhaftigkeit seiner Erfahrungen und Empfindungen. Ein Buch von seltener Intensität. FLORIAN BARANYI


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