Der "Großen Liegenden" geht es nicht gut

Eine vergessene Ikone der Moderne auf dem Wiener Zentralfriedhof: Warum ein Hauptwerk des Bildhauers Fritz Wotruba langsam, aber sicher verfällt

ANKLAGE: HELLMUT BUTTERWECK | FEUILLETON | aus FALTER 43/16 vom 27.10.2016

Sie ist ein Stück Zeitgeschichte, die "Große Liegende" des Bildhauers Fritz Wotruba auf dem Wiener Zentralfriedhof. Einst Anlass sittlicher Empörung für ein autoritäres Regime, wurde sie später einfach vergessen. Denn wäre sie nicht vergessen, würde man sie kaum dem Verfall preisgeben.

Die drei Meter lange Figur, Nummer 63 im Wotruba-Werkverzeichnis, ist zwar eines der wichtigsten Werke des österreichischen Parade-Bildhauers im öffentlichen Raum, trotzdem bemerkt seit Jahren offenbar niemand die handtellergroße abgeplatzte Stelle auf der Brust der "Großen Liegenden" und die vielen Risse, in die Wasser eindringen und im Winter gefrieren kann. Sie befindet sich auf dem Ehrengrab der am 10. Mai 1933 verstorbenen Opernsängerin Selma Halban-Kurz, Gruppe 14 C, Grab 8. Auch die Namen auf der steinernen Tafel vorne am Grab sind kaum mehr zu entziffern.

Selma Kurz war eine europäische Größe, zu deren Vorstellungen manche eine Stoppuhr mitnahmen, um die Länge ihrer Koloraturen zu messen.

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