Wie gedruckt

Pressekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Nationalfeiertag, Donauinselfest, Wien-Marathon, 1. Mai. Jedes Jahr ist es eine Herausforderung, sich als Zeitung zu diesen wiederkehrenden Ereignissen etwas Neues, Überraschendes einfallen zu lassen. Oft misslingt das Experiment. Dem Standard ist es dieses Jahr zu Allerheiligen sehr gut gelungen. Er traf Eva. Sie ist 66 Jahre alt, hat Brustkrebs und weiß, sie wird bald sterben. Vielleicht bleiben ihr noch Wochen, vielleicht auch nur ein paar Tage. Eva erzählt, wie es ist, bald zu tot zu sein. ",Alles ist unwichtig geworden', stellt Eva fest. Sie lächelt. Die Zeit hat keine Dimension mehr", sagt die Sterbenskranke, die der Standard im Hospiz zu ihrem letzten Interview trifft.

Die letzten Wünsche werden sehr klein. Noch ein letztes Mal aus dem Hospiz ins eigene Zuhause kommen, noch ein Mal in der Lobau spazieren gehen, den Kindern einen Abschiedsbrief schreiben. Am Ende des Gesprächs sagt Eva zum Standard: "Vielleicht geht es sich noch aus, dass ich Ihren Artikel lese." Aber wenn nicht, sei das auch nicht mehr wichtig. Man wünscht sich trotzdem, dass ihr noch ein bisschen Zeit bleibt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige