Jazz Tipp

Mr. Zorn kommt mit Horn, Bagatellen der neue Born


KLAUS NÜCHTERN
Lexikon | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Da ist Christoph Huber, dem künstlerischen Leiter des Porgy &Bess, ein echter Coup gelungen -an dem er freilich auch zehn Jahre gearbeitet hat: John Zorn (Jg. 1953) ist schlicht die wichtigste und umtriebigste Figur, die sich in den letzten vier Jahrzehnten im Bereich der eher club-als konzerthallenbasierten Avantgarde umgetan hat. Zwischen Komposition und Improvisation, von Noise und Metal bis Jazz, Kammer- und Filmmusik hat der US-amerikanische Altsaxofonist, Komponist und Bandleader, der Anfang September 63 wurde, so gut wie nichts ausgelassen.

Nach den spielregelgeleiteten Improvisationen der 1970er-und 80er-Jahre ("Cobra"), Ennio Morricone-und Film-noir-Adaptionen sowie speedigen Cartoon-Music-Metal-Jazz-Verschnitten (Naked City) steuerte der hitzköpfige Hans Dampf in den 1990ern mit der an Ornette Colemans klassischem Quartett (as, tp, b, dr) ausgerichteten Band Masada und hunderten klezmerorientierten Kompositionen, die schließlich auch von zahlreichen anderen Besetzungen aufgeführt wurden, in etwas ruhigere Gewässer.

Nach diesem Prinzip wird nun auch mit dem "Book of Bagatelles" vorgegangen, einer Sammlung von 300 Stücken, die Zorn in drei Monaten geschrieben hat und die an dem Wiener Wochenend-Marathon von zehn verschiedenen, maximal vier Musiker umfassenden Ensembles aufgeführt werden -darunter das Original Masada Quartet (mit Zorn und Dave Douglas), das Uri Caine Trio, das Nova Quartet (mit Pianist John Medeski) oder Asmodeus (mit Gitarrist Marc Ribot). Eher atonal orientiert sind die Kompositionen für Zorn gleichwohl nicht mehr als "just melodies", über die die Musiker improvisieren sollen wie über die Standards von Irving Berlin. Ob man mitpfeifen kann, lässt sich am 5. und 6.11. überprüfen (nur noch Stehplätze zu € 60,-; Zweitagespass: € 100,-).

Porgy & Bess, Sa, So 20.30


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