Kommentar Waffenrecht

Jedem Kieberer seinen Pumperer? Besser nicht


Lukas Matzinger
Falter & Meinung | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Das Recht, privat Schusswaffen führen zu dürfen, wurde in Österreich nach und nach eingeschränkt. Einen Waffenpass bekommen heute jene Menschen, die eine echte individuelle Gefährdung glaubhaft machen können. Und das kann in Österreich glücklicherweise fast niemand. Personenschützer kriegen noch die Lizenz zum Waffentragen, unter Umständen Geldboten und vielleicht Nachtwächter, die schon mehrmals überfallen wurden. Sonst sind Privatpistolen weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Das soll jetzt geändert werden. Zurzeit ist ein Gesetz in Begutachtung, das jedem Polizisten auch ohne Nachweis einer konkreten Gefährdung einen Waffenpass für seine Freizeit zugesteht. Sie seien eine besonders gefährdete Gruppe. Und wem, wenn nicht den Profis, könne man jederzeitigen Schutz zutrauen?

Dieses Gesetz ist keine gute Idee. Der Beruf des Polizisten ist ein strapaziöser und anfordernder. Der Schutz der Gesellschaft ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben, die es gibt. Die allgegenwärtige Präsenz von und Bereitschaft zur Gewalt kann Beamte zermürben. Polizisten haben laut Studien der Gewerkschaft eine höhere Burnout-Rate als die meisten anderen Berufsgruppen und ein größeres Suizidrisiko. Der Druck auf Exekutivbeamte ist groß. Diesen Druck nun über die Dienstzeit hinaus zu erweitern ist ein Fehler. Ein Polizist außer Dienst sollte frei von Wach- und Wehrfunktionen sein und nicht dazu angehalten werden, bei Gefahrensituationen jederzeit eingreifen zu müssen.

Der von der Polizeigewerkschaft beim Innenministerium beantragte Paragraf bringt nur auf den ersten Blick Freiheit und Achtung für die Beamten. Zu ihrem eigenen Schutz sollte er besser im Halfter bleiben.


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