Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Man hätte es ahnen müssen. Wenn Chefredakteur Florian Klenk mit einer Spraydose im Büro auftaucht und fragt: "Soll ich eure Tastaturen putzen?", bleibt einem nur eines: Skepsis. Was ist das für eine Aktion? Eine Art falterianische Fußwaschung, wo der Hirte nach redaktionellem Ritus seine Schäfchen vom Dreck befreit? Und wenn ja, warum kommt er vor Allerheiligen und nicht erst zu Ostern?

Man nimmt das Angebot dennoch an. Erstens, weil man Klenk die Freude nicht nehmen will. Zweitens, weil er erklärt, in der Spraydose befände sich spezieller Tastaturschaum; da könne nix passieren. Drittens, weil die Tastatur saudreckig ist. Viertens, weil er Chef ist und wir unser Brot mit gehorsamer Lohnarbeit verdienen.

Also schreitet Klenk zur Tat, sprüht weißen Schaum auf fremde Tastatur, verwischt es mit Papierhandtüchern und schrubbt wie ein geübter Putzmann. Bald strahlt die Tastatur genauso wie Klenk. Man hatte ja keine Ahnung, wie weiß die einmal war. Wie neu! Schön! "Danke, Chef!"

Klenk verschwindet so schnell, wie er gekommen war, ins nächste Büro. Man hört nur durch die Tür: "Soll ich eure Tastaturen putzen?" Derweil drückt Nina Brnada die ersten Tasten. Die Taste "5" hängt. Das ist nur der Anfang.

Ein Tag später: Brnada schreibt auf einer klobigen, schwarzen, dreckigen Ersatztastatur aus den 1990er-Jahren. Armin Schregger von der IT hat sie vorbeigebracht. Klenk nützt derweil seinen privaten Laptop. Seine Computertastatur liegt auf dem Heizkörper. Klenk sagt: "Sie muss noch trocknen."


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