"Ohne Krimi geht die Mimi... "

Romane tauschen, plaudern, stöbern: Das "Romancenter" am Reumannplatz ist mehr als eine Buchhandlung

Besuch: Arthur Fürnhammer | Stadtleben | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Hinter der Budel des "Romancenters" stehen zwei ältere Damen und unterhalten sich angeregt. Die eine, Frau Reiter, arbeitet hier, mitten in Favoriten. Die andere, Frau K., ist Stammkundin seit mehr als zehn Jahren und genießt das Privileg, sich auch hinter dem Ladentisch nach Büchern umzusehen, die sie noch nicht gelesen hat.

Gerade verstaut sie ein gutes Dutzend Bücher, allesamt Krimis, in eine Tragetasche. Sie kosten einen Euro das Stück. Daheim in ihrer Bibliothek hat Frau K. etliche Bücher stehen, aber keine Krimis. "Krimis san kane Aufheber", sagt sie. "Warum soll i die kaufen?" Bibliothekswürdig oder nicht, Frau K. schätzt "Thriller" schon seit ein paar Jahren als ideale Einschlaflektüre: "Da brauch i ned mitdenken und schlaf super ein." Frau K. hat die Tauschgebühr bezahlt, schnappt sich ihren Buchvorrat für die nächsten zwei Monate und verabschiedet sich.

Über 200 solcher Romantauschgeschäfte gab es einmal in Wien. Heute sind es noch "drei oder vier", sagt Frau Reiter.

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