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Wenn der Computer Doktor spielt

Medien | Diagnose: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Wenn man Big Data richtig einsetzt, könne es wie ein Röntgengerät für die Gesellschaft sein, es ließen sich Probleme erkennen und damit Lösungen erarbeiten, erklärte Komplexitätsforscher Dirk Helbing vergangene Woche im Falter (im Netz: http://bit.ly/falter_helbing). Welche Chancen - neben all den Risiken wie die Themen Datenschutz und Überwachung - die großen Datenmengen bergen, lässt sich an einem Big-Data-Programm von IBM erklären, das derzeit für Furore sorgt. Es heißt "Watson Health" und wurde vor wenigen Tagen auf der Big-Data-Konferenz i-Know in Graz vorgestellt.

Man muss sich "Watson Health" wie ein Computerhirn vorstellen, das fähig ist, neue medizinische Studien und Krankenakten zu lesen, zu verstehen und sich zu merken. In der Praxis soll sich Doktor Watson künftig wie der klügste Assistenzarzt der Welt verhalten.

Das System kann etwa die Krankengeschichte von Patienten für Ärzte aufbereiten, die die Patienten zum ersten Mal sehen. Es hilft dem Arzt dabei, Diagnosen zu erstellen, und schlägt etwa auch Medikamente zur Behandlung vor. Woher nimmt das künstliche Intelligenzsystem diese Erfahrung? Watson wurde mit Krankenakten gefüttert und weiß, wie sich welche Medikamente in ähnlichen Fällen ausgewirkt haben. Die Diagnose bleibt dem behandelnden Arzt überlassen, Watson versorgt ihn dabei mit relevanten wissenschaftlichen Studien. Was nach Zukunftsmusik klingt, nimmt nun konkrete Formen an. Das "Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen" an der deutschen Universität Marburg arbeitet bereits mit Watson. Die Hoffnung: seltene Krankheiten schneller zu erkennen und zu heilen.


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