"Ich weiß nicht, was Wohnen ist"

Der Architekt und Theoretiker Hermann Czech ist der heimliche Star der österreichischen Baukunst. Der Gestalter von Lokalen wie dem Kleinen Café machte die Zurückhaltung zum ästhetischen Prinzip. Nun wird er 80

Feuilleton | Interview: Matthias Dusini | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016


Foto: Heribert Corn

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Er ist der Stararchitekt, den keiner kennt. Hermann Czech, der am 10. November 80 Jahre alt wird, hat bisher keine Ikone entworfen, den Czech-Bau sucht man vergeblich. Und dennoch prägen die von ihm gestalteten Lokale, etwa das Salzamt oder das Kleine Café, das gemütliche Image der Stadt. Seine Forschungen etwa zum Werk des Modernisten Josef Frank sind frei von Retronostalgie. Czech verbindet Konzept mit Handwerk.

Die Helden der Wiener Moderne, Adolf Loos und Otto Wagner, waren in den 1960er-Jahren kulturhistorische Schimären, ehe junge Architekten wie Czech deren Ideen auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüften. So griff Czech den „Raumplan“ von Adolf Loos auf, die Möglichkeit, Raumhöhen an die Bedürfnisse der Bewohner anzupassen. Wer mit dem Architekten spricht, lernt einen undogmatischen Intellektuellen kennen, der die hohlen Phrasen der Architektur-PR mit trockenem Schmäh zerlegt. Am Abend geht er auf wissenschaftliche Vorträge – und später kann man ihn bei einem Glas Wein in einem Lokal antreffen.


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