Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Tonträger der Welt der Woche


Lukas Matzinger
Feuilleton | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Im Folgenden wird keinem herausragenden neuen Album gehuldigt und kein altes Meisterwerk wiederentdeckt. Es geht um mehr als das.

Von 2005 bis 2015 haben sich die Umsätze durch Schallplatten in Österreich versechsfacht. Die alten Vinyls sind wieder schwer begehrt. Die Absätze durch CDs sind derweil auf ein Drittel zusammengeschrumpft - auf, nicht um. Die gute alte CD ist in vielen Fällen nur noch das Nebenprodukt, das auf ach so lässigen Schallplattenmärkten verramscht wird. Zu Unrecht.

Die CD ist der beste Tonträger der Welt. Sie ist handlicher, billiger und unkomplizierter als die Platte und, am wichtigsten, auch in der Tonqualität überlegen. Und das ist keine Glaubensfrage, sondern messbar -da läuft Vinyl in ein echtes Debakel. Es hatte auch technische Gründe, dass die Platte einst von der CD abgelöst wurde.

Das Tonsignal einer CD wird höher aufgelöst als das einer Schallplatte. Das ist logisch, weil die fragile Tonabnahme durch eine Nadel schonungslos jede Unregelmäßigkeit preisgibt und die erreichte Dynamik dramatisch reduziert. Dazu können CDs Kanäle trennen und Frequenzen genauer wiedergeben. Die bessere Bandbreite der Schallplatte ist nett, kann aber vom menschlichen Gehör nicht wahrgenommen werden. Science, bitch! Was bleibt: Die "bessere" Tonqualität von Schallplatten ist ein Placebo, da helfen auch Haptik und Romantik der Scheiben nicht. "Ich mag das Knistern" ist übrigens ein so kurioser Befund wie "Ich mag das Flackern auf meinem Fernseher". Und wenn ein Vinyl "wärmer" klingt, ist das deshalb, weil die Musik verzerrt wird.

Wer eine Aufnahme hören möchte, wie sie abgemischt wurde, greift zur CD. Und weil die -während Vinyl mit jedem Spielen von der Nadel verschlissen wird -über Jahrzehnte verlustfrei hält, gerne auch auf Second-Hand-Märkten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige