Vor 20 Jahren im Falter

Erbschleicher

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 44/16 vom 02.11.2016

Manchmal verstecken sich die guten Nachrichten tatsächlich in der Rubrik gut. "Was lange währt, wird endlich gut. Zwölf Jahre nach dem Aufstand von Hainburg wurde letztes Wochenende der ,Nationalpark Donau-Auen' eröffnet. Und Wien ist jetzt die erste Weltstadt, die direkt an einem Naturreservat liegt." Das war etwas überschwänglich formuliert, was die Entfernung betrifft. Aber die Lobau liegt ja auch an der Donau.

Noch eine gute Nachricht verbarg sich im Blatt. Das Architektenpaar Evelyn Wurster und Johann Winter streckte vor Freude die nackten Hintern in die Kamera, ehe es ins Schwimmbad der neueröffneten Sargfabrik hüpfte. "Es liegt ein schwacher esoterischer Hauch über der orangen Anlage", berichtet leicht verwundert Architekturkritikerin Patricia Grzonka. "Wenn man in die Innereien des Baus mitgenommen wird, öffnet sich plötzlich eine der Kellertüren, und ein freundlicher Wächter führt den Samadhi-Tank vor:,Da drin ist ein Wasserbecken mit 300 Kilo Bittersalz, das stellt Bedingungen her wie am Toten Meer'."

Von der Sargfabrik zum lebendigen Gemetzel. Die Grünen ließen nach der Wiener Wahl lustig Köpfe rollen, und ehe feststand, welche, fand das öffentliche Anklagen statt. Guter Stoff für Thomas Seifert, der mit der "dramatischen Aufführung" viel anzufangen wusste. Dazu musste ein schöner Stich von - genau - Judith und Holofernes herhalten, waren die ausgemachten Mörderinnen doch zwei Frauen, Jutta Sander und Susi Jerusalem.

Ernster ging es bei Jörg Haider zu. Kaum war Bruno Kreisky tot, gerierte sich Jörg Haider als dessen Erbe. Zu Martin Staudinger sagte er: "Je länger Franz Vranitzky im Amt ist, umso mehr ist mir klargeworden, dass irgend jemand die Tradition des Bruno Kreisky fortsetzen muss. Das heißt, ein Bündnis zwischen den bürgerlichen kritischen Reformkräften und den Arbeitnehmern schließen, die ein Stück des Weges gemeinsam gehen."

Das war gerissen und hinterfotzig. Solche versuchte Polit-Erbschleicherei konnte Sohn Peter Kreisky nur so kommentieren: "Absolut lächerlich!"


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