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Wieso referiert die FPÖ über Antisemitismus, Herr Peham?

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Die FPÖ versucht sich als Geschichtslehrer. Unter dem Titel "Haben wir aus der Geschichte gelernt? Neuer Antisemitismus in Europa" lud das Freiheitliche Bildungsinstitut am Montag zu einem Symposium ins Grand Hotel. FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer referierte mit dem früheren israelischen Geheimdienstchef Rafael Eitan und einem früheren Abgeordneten der nationalistischen Partei "Cherut -HaTnu'a HaLeumit".

Der Falter fragte Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, was es mit diesem Symposium auf sich hat.

Wieso lädt die FPÖ zu einem Symposium zum Thema Antisemitismus?

Die FPÖ kann den Antisemitismus in den eigenen Reihen leichter leugnen, indem sie den Antisemitismus bei einer anderen Gruppe, in diesem Fall bei Muslimen, entdeckt. Natürlich geht es auch um den Wunsch nach einem Koscher-Stempel. Die FPÖ sucht gezielt den Kontakt zur israelischen extremen Rechten in der Hoffnung, dadurch auf internationaler Ebene salonfähig zu werden.

Was verbindet die FPÖ und die extreme Rechte in Israel?

Sicherlich einmal die Einschätzung des israelisch-palästinensischen Konflikts nicht als politischer oder territorialer, sondern als religiöser Konflikt. FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache hat Israel ja schon mehrmals als Vorposten eines christlich-jüdischen Abendlandes bezeichnet, das die muslimische Gefahr abwehren müsse.

Gleichzeitig nannte die FPÖ-nahe Zeitschrift Aula KZ-Überlebende wörtlich eine "Landplage".

Die Aula ist keine offizielle Parteizeitung, wird aber über Inserate von der FPÖ mitfinanziert und steht der FPÖ sehr nahe. Diese unglaubliche Entgleisung steht im klaren Widerspruch dazu, dass sich die FPÖ nun als Kämpferin gegen den Antisemitismus darstellt. Auch viele andere Skandale aufseiten der FPÖ belegen, dass der Antisemitismus innerhalb der FPÖ noch lange nicht überwunden ist. Umso notwendiger ist für die FPÖ die Nähe zur israelischen extremen Rechten.


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