Undenkbares denken: Ermächtigung durch Verweigerung

Vorschau: Veronika Krenn | Lexikon | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Anderen ein endgültiges "Nein" entgegenzupflanzen läuft der gemeinhin sozialen Neigung der Spezies Mensch etwas verquer. Deshalb stellt die ArgeKultur Salzburg ihr Open Mind Festival unter das Motto "AUSweg. Das wesentliche NEIN" und fragt nach dem Undenkbaren, nach radikalen Perspektivwechseln, nach Publikumsermächtigung und einer Repolitisierung der Kunst. Den Anfang macht das Aktionstheater Ensemble. Die Gruppe unter der Leitung von Martin Gruber ist der Inbegriff eines politischen Theaters ohne erhobenen Zeigefinger, das künstlerisch anspruchsvoll auf Aktuelles reagiert. Gerade wurde es mit dem Nestroy-Theaterpreis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet.

In "Immersion. Wir verschwinden" herrscht ein harter Wettbewerb um Aufmerksamkeit unter Kreativen, und es wäre nicht Grubers theatrale Eingreifgruppe, würde man nicht aus dem höchstpersönlichen Leben der Akteure schöpfen. Dieses wird, zur kritischen Beschau vor dem Publikum, fröhlich ausgeschlachtet. Mut zur Peinlichkeit ist dabei gefragt. Michaela Bilgeri verhalf diese Eigenschaft - wie sie auf der Bühne erzählt - schon zu einer Auszeichnung, dem Vorarlberger Kulturpreis. Nachgedacht wird auch über die Zukunft des Ensembles. Darüber, wie wohl einem Rechtsschwenk nach den nächsten Wahlen künstlerisch zu begegnen wäre: erstens -unter freundlicher Ausnützung des Kulturpreishypes - das Feld großflächiger beackern; zweitens, sich auf das Komödienfach besinnen, das sich ja bekanntlich auch im Dritten Reich und im vormals "blockierten" Osten großer Beliebtheit erfreute. F ArgeKultur Salzburg, 10. bis 20.11. www.argekultur.at


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