Bundespräsidenten-Melange

Das Eiles, eines der ältesten Cafés der Stadt, wurde aufgeräumt. Aber richtig

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Viele mochten das Eiles eh schon vorher. Vielleicht, weil es groß und daher recht anonym war, weil man – wenn man braun angezogen war – mit der Umgebung verschmolz und unsichtbar wurde, oder einfach, weil das Eiles ein sehr traditionelles Wiener Kaffeehaus ganz ohne jede Aufgeregtheit war.

Wenn man das Café Eiles mochte, mochte man halt auch diese unerträglich braun-beigen Blumenbezüge der Sitzbänke, diese in einem Kaffeehaus völlig deplazierten Zimmerpflanzen, die der Atmosphäre zum Trotz versuchten, Chlorophyll zu erzeugen, und schließlich mochte man, wenn man das Eiles mochte, auch diesen Spannteppich, das Armageddon eines Bodenbelags oder akzeptierte ihn zumindest.

Das schafften einige, aber nicht genug. Das Eiles schlitterte in die Miesen, die Besitzer wollten sich nicht vom Café trennen, investierten aber auch nicht, also engagierte man einen Geschäftsführer. Das war vor ein paar Jahren und dieser Geschäftsführer war Gert Kunze, den man schon aus vielen Gastronomieprojekten in Wien kannte, angefangen von Österreicher im Mak bis hin zu einem eher skurrilen Projekt namens Seven Heaven, einer Art zahlenmystische Erlebnisgastronomie. Diesem Gert Kunze gelang es im Sommer 2015 schließlich, das Café zu kaufen.

Der erste Schritt war eine neue Bar, die dem braunen Café schon einmal ein bisschen Struktur verlieh. Im Frühling wurde dann sechs Wochen lang renoviert, Mitte August wiedereröffnet. Und siehe da: Der Teppich war weg. Die Sitzbezüge sind jetzt scheckig rot, Wände und Decke dunkelgelb. Das Café wirkt aufgeräumt. Details wie die großartigen, gedrehten Tischbeine der Marmortischchen kommen viel besser zur Geltung, die typischen Garderobeständer stehen in Reih und Glied, das Gemurmel wirkt irgendwie angeregter, das Personal besteht aus eleganten, jungen Männern in schwarzem Outfit, gerne auch tätowiert. Und das Eiles ist – zumindest zu Stoßzeiten – wirklich gut besucht.

Auch bei der Speisekarte gibt man sich erfrischt, Klassiker wie Sacherwürstel und Gulaschsuppe, ja klar, aber halt auch Mozzarella, Ceasar Salad und Clubsandwich. Schinkenrolle, russisches Ei und Appetitbrot flogen raus, schade, aber immerhin auch keine Burger, da muss man schon dankbar sein.

Die Gulaschsuppe war gut und reichlich (€ 4,20), das gekochte Rindfleisch mit Cremespinat, Rösti, Schnittlauchsauce und Apfelkren etwas ausgekocht, aber zart, die Rösti mit viel Kümmel, die Portion riesig (€ 11,20), der Apfelstrudel leider nicht so toll, falscher Teig, matschig und von Kerngehäusen durchsetzt (€ 3,90).

Dafür ist der Kaffee von der In-Rösterei Andraschko aus Berlin sehr gut und nicht nur das: 50 Cent des Melangepreises gehen an die Van-der-Bellen-Wahlbewegung. Da hätte man sogar den Teppichboden ausgehalten.

Resümee:

Alte Kaffeehäuser müssen nicht sterben. Wenn man etwas Licht reinlässt, buchstäblich und sprichwörtlich, sind das die besten Lokale, die’s gibt.

Café Eiles
8., Josefstädter Str. 2
Tel. 01/405 34 10
Mo–Fr 7–24, Sa, So 8–24 Uhr
www.cafe-eiles.at


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