Fotografie Vernissage

Komische Standbilder, ekstatische Wahlkämpfer

Lexikon | NS | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Mit einer ganz speziellen Form der Komik inszenierte der 2013 verstorbene Peter Dressler Fototableaus, bei denen er alleine in Rollen schlüpfte. Im aktuellen Monat der Fotografie zeigt nun das Kunsthaus Wien eine Retrospektive des Fotokünstlers, der mit seinen Bildserien kurze Geschichten erzählte und seine Aufnahmen wie Film-Stills aussehen ließ. In seinen visuellen Erzählungen durchkämmt Dressler Orte wie etwa das Museum, das Hotelzimmer oder das Kaufhaus und verwendet die vorgefundenen Räume wie Bühnenbilder. Die Ausstellung, die einen Bogen von den frühen dokumentarischen Arbeiten bis hin zu Serien wie "Seltene Rezepte" oder "Greifbare Schönheit" spannt, würdigt insbesondere auch die Rolle, die die Stadt Wien im Werk des langjährigen Lehrers an der Akademie der bildenden Künste spielte.

Die zweite neue Schau stellt den deutsche Künstler Nasan Tur vor, der mit recht plakativ politischen Arbeiten punkten konnte. Der Berliner, Jahrgang 1974, hat zum Beispiel für seine Videoreihe "The First Shot" Leute unterschiedlicher Generationen beim erstmaligen Abfeuern einer Waffe gefilmt. Eine Installation mit Fahnen von Staaten wie der DDR oder Biafra, die nicht mehr existieren, ist derzeit in der Gruppenschau "What is left?" im Freiraum Museumsquartier zu sehen. Im Kunsthaus präsentiert Nasan Tur, dessen künstlerische Strategie der soziologischen Analyse sehr nahe ist, seine neue Fotoserie "Political Supporters". Bangende, jubelnde und verzweifelte Gesichter sind dabei zu sehen, die Unterstützer angesichts von Wahlkämpfen und -entscheidungen zeigen. Neben dem psychologischen Moment der Identifikation und der medialen Verbreitung dieser emotionalen Reaktionen spielen freilich auch die kunsthistorischen Fragen des Ausdrucks mit hinein.

Kunsthaus Wien, Di 19.00 (bis 5.3.)


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