Film Neu im Kino

Gut gemeint und gut gemacht: "Kinders"

Lexikon | MO | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Ariuanaa will nicht ins Sommercamp fahren. Taib vertraut sich seinem abgenudelten Stofftier an. Zarina ist zu schüchtern, um zu singen. Eines der Mädchen lässt auf einer Waldlichtung seinen tief sitzenden Ängsten freien Lauf: "Sozusagen mein Hauptgefühl ist Wut, Wut, Wut!"

Ausgangspunkt des über mehrere Jahre hinweg entwickelten Filmprojekts "Kinders" war die Initiative Superar, ein nach venezolanischem Vorbild gegründetes u. a. von der Caritas initiiertes Projekt. Nun gibt es hierzulande zwar keine Favelas, doch Kinder mit persönlichen Problemen -ob aus familiären oder gesundheitlichen Gründen, oder aus solchen der gesellschaftlichen Entwurzelung und erzwungenen Migration -gibt es leider auch in Österreich nicht zu knapp.

Den beiden Filmemachern, Arash und Arman Riahi, geht es freilich nicht darum, die Arbeit besagten Vereins zu dokumentieren. Vielmehr widmet sich das Hauptinteresse ihres zusammen mit Servus-TV produzierten Kinofilms dem "Spannungsfeld zwischen kreativer Ausdrucksmöglichkeit, Schule und sozialem Umfeld der Kinder". Dabei kommen die Riahi Brothers den kleinen Protagonistinnen und Protagonisten, die ihre Lebenssituation oft mit ebenso anrührenden wie klugen Worten analysieren, ganz erstaunlich nahe: Der Film erzählt nicht über sie, sondern sie erzählen den Film.

Dennoch ist die Überwindung privater und gesellschaftlicher Hürden nicht selten ein beschwerlicher Prozess. Umso beeindruckender, wenn die musiktherapeutische Arbeit dann tatsächlich Wirkung zeigt. So etwa im Fall von Zarina, dem muslimischen Mädchen, das nach und nach erst seine Stimme finden muss, auf dass sie wie ein Pfeil durchs offene Fenster hinaus in die Welt fliegt -und die später, als selbstbewusster Teenager, wiederholt zur Sprecherin ihrer Klasse gewählt wird.

Ab Fr im Kino. - Sonderveranstaltung: Filmcasino, So 13.00 (Gespräch mit den Riahi Borthers)


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