Wo es nach frischer Farbe duftet

Bei der Vienna Art Week kann man die hiesige Kunstszene abseits der Trampelpfade erkunden

Lexikon | Vorschau: Nicole Scheyerer | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016


Fotos: Ursula Röck (Links), Nasan Tur (rechts Oben), Oliver Hangl (rechts unten)

Fotos: Ursula Röck (Links), Nasan Tur (rechts Oben), Oliver Hangl (rechts unten)

Am Anfang war nicht klar, wofür es die Vienna Art Week überhaupt braucht, setzte sich das Programm der 2005 erstmals vom Dorotheum organisierten Kunstwoche doch zum Großteil aus Ausstellungen zusammen, die regulär in den Museen und Galerien liefen. Was als exklusiver Begleitparcours zur Kunstmesse viennacontemporary begann, hat sich aber zu einer hervorragenden Gelegenheit gemausert, auf Tuchfühlung mit der hiesigen Kunstproduktion zu gehen.

So öffnen am Open Studio Day 70 ausgewählte Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers und lassen die Besucher Studioluft schnuppern. Selten bietet sich eine so gute Gelegenheit, Proponenten der jüngeren Wiener Kunstszene zu treffen, werden doch in der institutionellen Landschaft viel zu selten Newcomer präsentiert.

Wer nicht nur Ateliers abklappern will, kann sich auch zu einer geführten Tour anmelden oder einen der Open Talks besuchen. In den Studios aber bitte nicht nur herumstehen und glotzen, sondern den Gastgebern Fragen stellen und Feedback geben, denn die Künstler wollen nicht nur besichtigt werden.

Nah an den Pulsschlag der jungen Kunst führt auch der Fokus auf „Alternative Spaces“, also auf nicht-kommerzielle Ausstellungsräume, die oft von Künstlern selbst betrieben werden. Nicht weniger als 40 solcher DIY-Galerien wie pinacoteca, New Jörg oder flat1, die derzeit eine echte Blüte in Wien erleben, beteiligen sich an der heurigen Kunstwoche.

Die Suche nach der Schönheit steht bei der zwölften Ausgabe der Vienna Art Week im Mittelpunkt – und das ist zum Glück nicht so reaktionär, wie es sich anhört. Unter dem Motto „Seeking Beauty“ wurde etwa die Performancekünstlerin Orlan eingeladen, die sich seit Ende der 1970er-Jahre unzählige Male unter das Skalpell gelegt hat, um Schönheitsideale zu hinterfragen.

Über Orlan war zuletzt im Boulevard zu lesen, dass sie Lady Gaga wegen Ideendiebstahls auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt hat. Der Popstar soll für die Gestaltung des Albumcovers und des Videos zu „Born This Way“ allerhand bei Orlan abgekupfert haben – womit sie freilich nicht die Erste wäre, bei der sich der Kunstfan Lady Gaga bedient hat.

Wer die Künstlerin mit den skurrilen Stirnhöckern live erleben will, muss am 15. November ins Mak kommen. Dort wird ab 14 Uhr das Format des Interview-Marathons erprobt. Gäste wie die Modetheoretikerin Barbara Vinken oder Mark Evans vom Victoria & Albert Museum in London geben Auskunft über ästhetische Ideale.

Es bleibt aber nicht nur beim Diskurs, denn die Wiener Künstlerin Elisabeth von Samsonow und die Performerin Doris Uhlich treten an, die dunklen Seiten von Schönheit zu beleuchten. Und während drinnen die Experten diskutieren, richten die Performancekünstler Oliver Hangl und Barbis Ruder einen „Guerillawalk“ aus, der mit Funkkopfhörern zur Schönheitssuche anleitet.

Zusätzlich findet am 17. November an der Akademie der bildenden Künste eine Podiumsdiskussion mit fünf eingeflogenen Kuratorinnen statt, die ihr Verhältnis zu Schönheit in der Kunst besprechen werden.

Unter dem Titel „Zu schön, um wahr zu sein“ debattiert der Philosoph Konrad Paul Liessmann am selben Tag mit Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.

Ein experimentelles Format verspricht die Veranstaltung „Ein romANTIscher Abend – seeking beauty in Margareten“, der im Zwischenquartier des Künstlerhauses in der ehemaligen Altmann’schen Strickwarenfabrik stattfindet. Ein Mix aus „offenem Gespräch, Präsentation, Storytelling und Performance“ erwartet die Gäste.

Als „Art Cluster Vienna“ bezeichnet sich ein Zusammenschluss von 25 Museen und Kunstinstitutionen, die bei der Vienna Art Wien mitmachen. Dementsprechend viele Eröffnungstermine wurden auf diese Herbstwoche gelegt, zum Beispiel in der Secession oder im Kunst Haus Wien. Wer möchte, kann also allabendlich locker 10.000 Schritte zu Vernissagen machen. Am 16. November findet auch eine Open Gallery Night statt.

Unter der Rubrik „Special Projects“ wird in dem insgesamt 200 Veranstaltungen starken Wochenprogramm auch eine Ausstellungseröffnung am 14. November im Porzellanmuseum der Manufaktur Augarten gelistet. Der Schweizer Künstler Daniel Spoerri, der für seine legendären „Fallenbilder“ leer gegessenes Geschirr auf Tischplatten klebte, wird bei der Vernissage von „Rund & Bunt. Tellerbilder aus drei Jahrhunderten“ ein eigens geschaffenes Werk vorstellen.

Die volle Woche rundet der Family Art Day am Sonntag ab, bei dem eine Juniorführung zu den Pointillisten in der Albertina oder zu Schönheiten und Biestern im Kunsthistorischen Museum geboten wird.

Vienna Art Week, 14. bis 20.11.
Für viele Events ist eine Anmeldung nötig:
www.viennaartweek.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige