Zerbrechliche Beziehungsstudien: Neues schwules Kino aus Österreich

Michael Omasta | Feuilleton | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Es ist eine paradiesische Idylle, die der österreichische Dramatiker und Schauspieler Händl Klaus zu Beginn seines zweiten Spielfilms "Kater" zeichnet. Stefan und Andreas sind Musiker, sie leben zusammen und mit ihnen Titelheld Moses. Dann, eines Morgens, dreht Stefan dem Tier den Hals um, ohne ersichtlichen Grund, und plötzlich ist alles anders.

Andreas bleibt das Verschwinden von Moses lange unerklärlich. "Die kommen manchmal zurück, nach einem Jahr oder zwei", meint ein Bekannter zum Trost. Doch stattdessen verschwindet nun auch die Liebe aus dem Leben der beiden Männer; Gleichgültigkeit und Kälte breiten sich aus. Über die Motivlage erfährt man hier nichts, dafür viel über die Zerbrechlichkeit einer Beziehung. Ein schwieriger, weil ganz alltäglicher Stoff, aber mit unerhörter Sicherheit inszeniert und gespielt.

Gleiches gilt auch für den neuen Film von Jakob M. Erwa. "Die Mitte der Welt", entstanden als deutsch-österreichische Koproduktion nach einem Roman von Andreas Steinhöfel aus den 1990ern, beschreibt in filmischer Hinsicht exakt die Gegenposition zu "Kater"; von den Hauptfiguren indes könnte es sich um dessen Prequel handeln.

"Ich bin ein Landei", erzählt Phil (Louis Hofmann) aus dem Off, "nur ein bisschen schwuler als andere." Der Sommer ist vorbei, ein Neuer kommt in seine Klasse, und bald sind er und Nicholas (Jannik Schümann) so etwas wie ein Liebespaar.

Erwa, eine Art steirische Ausgabe des internationalen "Regiewunderkinds" Xavier Dolon, setzt wie dieses auf inszenatorischen Exzess: Tagträume, Farbrausch, übervoller Plot. Hier wird -ironisch -ausbuchstabiert, fast jedes Geheimnis findet am Ende seine Aufklärung. Gekonnt gemacht und toll gespielt ist der Film dennoch.


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