Kommentar Schulpolitik

Der Staat soll seine Schulen fördern. Nicht die der Reichen

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Die alternativen Privatschulen fühlen sich ungerecht behandelt, und das zu Recht. Sie fordern vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) die finanzielle und rechtliche Gleichstellung mit konfessionellen Schulen, die vom Staat aufgrund des Konkordats üppig subventioniert werden.

Ohne zusätzliche Mittel würden die sogenannten Freien Schulen (u.a. Waldorf-und Montessorischulen)"gegen die Wand fahren", erste Schulen mussten bereits Konkurs anmelden, heißt es in einer Aussendung.

Das Begehren der Privatschulen nach Gleichstellung mit katholischen Privatschulen ist verständlich. Tatsächlich gibt es keinen sachlichen Grund (außer dem Konkordat), dass der Staat die Lehrergehälter im konservativen Sacré Coeur berappt, in der fortschrittlichen Privatschule "Walz" aber zum Beispiel nicht.

Der Staat sollte die Angelegenheiten der Privatschulen aber gleich ganz radikal neu regeln -und allen Privatschulen die finanziellen Mittel streichen.

Denn es gibt ein staatliches Schulsystem, an dem es an allen Ecken und Enden mangelt und aus dem sich deshalb die Wohlhabenden verabschieden. Lehrer sind dort überlastet, Migranten werden nicht ausreichend betreut. Die Schulgebäude stammen zum Teil noch aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Wer den nationalen Bildungsbericht liest, der muss erkennen, dass nicht die Schulen der Wohlhabenden, sondern der Ärmeren Geld brauchen.

Dass Eltern ihre Kinder in private Schulen stecken, soll man ihnen nicht verübeln. Aber dass der Staat das auch noch fördert, ist durch nichts zu rechtfertigen. Staatliche Bildung muss erstklassig werden. Dafür braucht es jeden Cent. Sorry, Walz und Sacré Coeur.


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