Kunst Kritik

Todesfuge: Sand, Milch und Steine

Lexikon | N S | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Mit dem Lyrikband "Der Sand aus den Urnen" hat Paul Celan den von den Nazis ermordeten Juden ein literarisches Denkmal gesetzt. Unter dem abgewandelten Titel "Der Sand aus den Uhren" kuratierte der Dichter Benjamin Kaufmann nun eine Schau. Die Adorno entlehnte Leitfrage lautet: Ist Kunst nach dem Holocaust möglich? Ein Großteil der Werke wirkt filigran, wie die 18 Milchpackerl aus Draht von Fritz Panzer, die auf Celans "Schwarze Milch der Frühe" aus dem Gedicht "Todesfuge" referenzieren. Das Zeichen für die Zahl 18 ist im Hebräischen aber auch mit "Leben" verbunden. Am Ende steht eine Nasszelle, an deren Decke Duschköpfe hängen, gestaltet vom Atelier van Lieshout - sie steht für die Gaskammern der Nazis. Kaufmann gelingt es, sich Adornos Frage ohne Kitsch zu nähern.

Franz Josefs Kai 3, bis 22.11.


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