Landrand Ruralismus

Tschüss. Schön, dass ihr da wart

Landleben | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Hier!" geschrien haben ja die wenigsten. Trotzdem kriegen mehr und mehr Gemeinden Ende 2015 Flüchtlinge zugeteilt. Auch wenn man sich nicht darum gerissen hat, so finden sich dennoch quer durchs Land Leute, die etwas tun wollen. Bürgermeister, die nie etwas mit Fremden zu schaffen hatten, rappeln sich auf und erklären murrenden Mitbürgern, dass man jetzt einfach helfen müsse. Pfarrer und Pensionistinnen, Singkreisleiterinnen und Kicktrainer geben sich einen Ruck und laden die Neuen ein. Stehen jeden Tag zum Deutschkurs "habt acht". Streiten mit Nachbarn, die das alles "für nix" finden, und Asylwerbern, die die Hausregeln nicht so eng sehen. Da binden Afghanen Figuren fürs Narzissenfest, dort wird syrisch gekocht. Kinder lernen, was Ramadan ist, und freunden sich mit neuen Schulkameraden an. Vorsichtig beschnuppern einander die Eltern.

Dann rennt die Sache halbwegs, plötzlich wieder Aufregung: abgeschoben. Nach Kroatien, Slowenien. Weil: Dublin-Regeln.

Wo gestern noch Rahaf saß, steht heute ein leerer Sessel. Tschüss. Danke, dass ihr da wart. Ach Blödsinn, ihr hört das ja nicht mehr.


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