Menschen

Finale Viennale


Lukas Matzinger
Kolumnen/Zoo | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Fast 40 Jahre ist es jetzt her, dass die größte aller Punk-Tanten, Patt i Smith, ihre Liebe zur Stadt Wien entdeckte. Schon 1978 ließ sie es zu, dass ihr der Dokumentarfilm "20 Stunden mit Patti Smith" vom Flughafen Schwechat über das ORF-Funkhaus bis zum Konzerthaus folgte. Diese Stadt sei besonders "weiblich" und "multiorgasmisch", soll sie ihrem Management damals gesagt haben. Die spirituelle Beziehung zu Wien hegt Smith bis heute -mittels der "Energie des Bewusstseins" versuche sie, sich nachdrücklich Teile der Kulturgeschichte der Stadt anzuverwandeln.

Weshalb sie auch in gar biederer Regelmäßigkeit kleinere und größere Auftritte in Wien einplant. Neben fast alljährlichen Arena-Konzerten war sie schon als Teil einer Intervention von Christoph Schlingensief, bei einem akustischen Abend im Burgtheater oder während der Viennale in einer Mischung aus Lesung, Anekdoten und Konzert im kleinen Metrokino zu sehen. Und jetzt eben wieder. Für einen Abend sollte sie beim heurigen Filmfestival im Gartenbaukino, so war es angesagt, mit einer "Mischung aus Musik und Lesung" auf die Bühne steigen.

Gelesen hat dann niemand, aber schön war's trotzdem. Eine knappe Stunde spielte Smith, die unter dem grauen Haar noch immer irgendwie kindlich wirkt, am Allerheiligenabend mit ihrem Pianisten und Gitarristen Tony Shanahan programmatische Lieder über das Leben und das Sterben. Und erinnerte den selbstverständlich vollen Saal einprägsam daran, was für eine fantastische Sängerin sie ist. Die einen ihrem Furor unterwirft, die überrascht und fühlt, und einem jene Stellen zeigt, wo das alles herkommt.

Die Schriftstellerin Valerie Fritsch, der Ex-Minister Josef Ostermayer und die Noch-Steirischer-Herbst-Intendantin Veronica Kaup-Hasler genossen auf den reservierten Plätzen. Wir sehen einander in der Arena, sagte Smith am Ende. So oft soll sie hier spielen, bis sie eins mit Wien geworden ist.

Und dann war sie auch schon wieder aus, die Viennale. Am Tag danach wurden bei der großen Abschlussgala nach zwei Festivalwochen noch allerhand Filme prämiert (siehe Foto), und man bedankte und verabschiedete sich allseitig. Einige Bildschirmprominenz war da, ein Schauspieler fragte einen Regisseur im Foyer, ob er sich den Stoff, den er ihm geschickt hat, überhaupt schon angeschaut habe, der sagte nein, noch nicht, was den Schauspieler sicher enttäuschte, und zwang, beschämt zu grinsen und zu geloben, lästig zu bleiben.

Der zottelige Direktor Hans Hurch sprach später von einem äußerst geschmeidigen Festival, das nun zu Ende ging, bevor ihm beim Andenken an den im Sommer verstorbenen Filmemacher Peter Hutt on die Tränen kamen und er seinen Vortrag mit den schweren Worten "Alles ist Gnade" schloss.

Bei der Parallelveranstaltung im Stadtkino ließ sich indes der Endzeit-Regisseur John Carpenter entschuldigen, was bitter war, weil es seine eigene Ehrengala hätte werden sollen. Der Film jedenfalls, der im Gartenbau mit dem protokollarischen Abschluss des Festivals betraut wurde, hieß "La La Land" und war so voller Wunder, dass es vielleicht Worte gibt, ihn zu beschreiben, die mir aber leider nicht geläufig sind.


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