Jacob und Julia vor dem Doppelwaschbecken

In "Hier bin ich" spult Jonathan Safran Foer viel Zahnseide ab, um die Midlife-Melancholie eines Ehepaares zu sezieren

Feuilleton | Buchkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Aus seiner E-Mail-Korrespondenz mit der Schauspielerin Natalie Portman, die - aus welchen Gründen auch immer - im Mai dieses Jahres in der New York Times veröffentlicht wurde, wissen wir, dass Jonathan Safran Foers Leben von Autoparken und Müllentsorgung strukturiert wird und dass die härteste Herausforderung für einen Schriftsteller nicht in Einsamkeit und Schreibblockaden besteht, sondern in der Verantwortung für die Meerschweinchen.

Das klingt so, als würde der mittlerweile 40-jährige Foer, der sich mit seinem Debüt "Alles ist erleuchtet" (2002) den Ruf des Junggenies und einen Millionen-Dollar-Vorschuss für den Nachfolgeroman "Extrem laut und unglaublich nah" (2005) einhandelte, ein einigermaßen entspanntes und realistisches Verständnis von Alltagsleben aufbringen. Von dem um zwei Jahre älteren Jacob, Protagonist in Foers jüngstem Opus, lässt sich das nicht behaupten. Er und seine Frau Julia sind nachgerade ein Doppelgestirn der Unentspanntheit, und die allabendliche gemeinsame


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