Buch der Stunde

Sex, Macht und die Frage der Treue

Feuilleton | Sebastian Kiefer | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Theologen und Anthropologen beweisen gerne die Natürlichkeit der Monogamie. Gemessen an den "Investitionen" in den Fötus, liest man etwa in Jared Diamonds "Warum macht Sex Spaß?"(2011), sei Monogamie die effektivste Lösung für die größtmögliche Verbreitung der Gene von Vater und Mutter. Unsere Gesellschaft ist noch immer geprägt von dieser Standarderzählung, die übrigens misogyne Züge trägt, denn die Sexualität der Frau tritt hier als zweckhaft und kontrollierbar auf: Das Eingehen weiterer sexueller Beziehungen nennt man deswegen auch Untreue.

Christopher Ryan und Cacilda Jethá sind beileibe nicht die Ersten, die dieses Narrativ infragestellen, doch niemand hat zuvor so scharfsinnig und witzig die Literatur gesichtet und den alten Argumenten so überraschend neue aus verschiedensten Disziplinen hinzugefügt. Heute existierende Wildbeutergesellschaften sind allesamt sehr egalitär in Bezug auf Besitz und Zugang zu Sexualpartnern - nur eines von vielen Indizien dafür, dass


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