Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Kinderbuch der Welt der Woche


Florian Klenk
Feuilleton | aus FALTER 45/16 vom 09.11.2016

Ich gestehe ich kannte die "Wilden Zwerge" nicht, obwohl ich seit sechs Jahren Kinder habe. Ein paar Rezensionsexemplare vergammelten in irgendeiner Ecke des Falter. Niemand hatte sie eingesteckt, um sie, äh, zu rezensieren.

Ich wollte die vergessenen Werke in meine Dorfbibliothek bringen. Auf den ersten Blick wirkten die Bücher nett, aber unauffällig. "Mara muss aufs Klo" hieß eines, und ich dachte schon an Christine Nöstlingers Diktum, dass es für Kinder mitunter spannender wäre, Telefonbücher vorgelesen zu bekommen als politisch korrekte Kinderbuchliteratur. Aber dann begann ich in den "Zwergen"-Reihen zu blättern.

Eine Horde war da zu entdecken, gezähmt nur von den Betreuerinnen Frau Köhler und Frau Koslowsky, die die Kids "Kotzlowsky" nennen. Das kommt daher, dass Koslowsky erbrechen musste, als eines ihrer Kinder einen toten Vogel auf den Jausenteller legte. Das Vieh wurde dann mit Kopf Richtung Mekka begraben. Vom kleinen Anon, dem Halbmarokkaner.

Ja, es geht ungesittet zu in dem Zwergen-Kindergarten. Eine Story beginnt damit, dass ein Kind einem anderen einen Wurstkrümel auf den Pulli spuckt. Die Zwerge schnippen ihn immer weiter und weiter, während ein Kind furzt. Es ist Mara, die gacken muss und dann das Klo mit Papier verstopft, so lange, bis der Kindergarten in der Scheiße schwimmt.

Es ist ein ganzer Kosmos, den die Autoren Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt (unter dem Pseudonym "Meyer/Lehmann/Schulze") da erfunden haben. Axel Scheffler, der Zeichner des "Grüffelo", merkte einmal an, er wundere sich, dass die Zwerge nicht stapelweise in Buchhandlungen liegen, so wunderbar seien sie. In meiner Gemeindebibliothek wird es jedenfalls bald so weit sein.


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