Fragen Sie Frau Andrea

Gatten und Gattin ergattern

Kolumnen | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Liebe Frau Andrea,

fallweise wird in meiner Korrespondenz der Begriff "habe ergattert" verwendet. Steht das mit dem antifeministischen Ausdruck "Gatte" respektive "begatten" in Zusammenhang? Danke für ihre Antwort!

Günter Fiala, per E-Mail

Lieber Günter,

über feministische Klagen zum Gebrauch der Vokabel "Gattin/Gatte" ist mir wenig bekannt. Allenfalls ließe sich eine gewisse Antiquiertheit der Ausdrücke feststellen. Das von Ihnen wahrgenommene "ergattern" hat keine direkte Verwandtschaft mit den Begriffen "Gattin/Gatte" und "begatten", jedenfalls nicht jene, die wir auf den ersten Blick vermuten.

"Ergattern", ein Begriff aus dem 16. Jahrhundert, wird erklärt als "etwas durch das Gatter zu erwischen" (also etwa der Fuchs die Hühner). Als Gatter (mittelhochdeutsch "gater", althochdeutsch "gataro", altenglisch "geat", "gat", englisch "gate") verstehen wir das Tor, das Gatter, das Gitter, die Schranke und im eigentlichen Sinne auch die Gasse. Obschon den Etymologen eine weitere Herkunft unklar ist, gibt es wenig Zweifel, dass der Begriff "Gatte" (mittelhochdeutsch "gate", althochdeutsch "gegate", altsächsisch "gigado") aus einem westgermanisch erschlossenen *gagadön (Genosse) kommt. Dies passt zur altenglischen ("gegada") und althochdeutschen ("gegat") Substantivierung des Adjektivs "passend, zugehörig". Eine ältere verwandte Bildung mit dieser Bedeutung ist das germanische Wort *gadilinga (Genosse, Verwandter), wie es im gotischen "gadiliggs", im englischen "gædeling", im altsächsischen "gaduling" und im althochdeutschen "gatiling" vorliegt. Das Grundwort dieser Bildungen ist untergegangen. Zum westgermanischen *gad-ō' (zusammenkommen, passen) finden wir im Mittelneudeutschen "gaden" (passen, gefallen, sich begatten) und im Althoch-und Mittelhochdeutschen "bigaton"(zusammenkommen, passen). Ob das altkirchenslawische "godū"(Zeit, passende Zeit) und "godīnū"(gefallig) und damit gar unser Begriff "gut" hier auch dazugehören, ist durchaus möglich. Die Anhänger einer Theorie, die "Gate" aus dem Vaskonisch-Baskischen ableiten, sollen nicht unerwähnt bleiben. So soll das Gatter von "+gat"(Passage) kommen und direkt mit dem Baskischen "ate"(Tor, Tür) verwandt sein.

www.comandantina.com; dusl@falter.at, Twitter: @Comandantina


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