Enttäuschende Enttäuschte

Trumps Wahl war ein Protest gegen den stickigen Konsensmoralismus. Mit Antirassismus und Antisexismus leisten sich pseudolinke Eliten das Privileg der besseren Ansichten

Feuilleton | ESSAY: ROBERT PFALLER | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Ob die Bürgerinnen und Bürger der USA nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten zu bedauern sind, ist eine schwierige Frage. Auf jeden Fall waren sie es vor der Wahl: als ihnen nur noch die Alternative Clinton oder Trump blieb. Eine seltsame Symmetrie - oder, wie Johann Nestroy gesagt hätte, "eine schauderhafte Reziprozität": Auf der einen Seite die "erfahrene Außenpolitikerin", die allerdings genau besehen nur schlechte Erfahrungen vorzuweisen hatte, da die von ihr verantworteten US-Engagements in Libyen, Syrien und im Jemen allesamt Desaster waren bzw. sind. Auf der anderen Seite der "erfahrene Geschäftsmann", der es geschafft hatte, drei Casinos nacheinander in den Bankrott zu führen.

Die relevanteren Fragen lauten freilich: Wie ist das Ergebnis aus der Sicht der Linken zu beurteilen? Und welche Lehren müssen daraus gezogen werden? Auffällig ist, dass diese Fragen die Linke in den letzten Monaten gespalten haben, und ich meine, dass diese Spaltung etwas Entscheidendes sichtbar


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