Menschen

Die Tage des Falter


LUKAS MATZINGER
Falters Zoo | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Die vergangene Woche war eine, wie sie der Falter ruhig öfter erleben könnte. Am Dienstag und Donnerstag wurden die Zeitschrift und einige ihrer Autorinnen (tatsächlich nur Frauen) bei Journalistenpreisverleihungen quer über die Stadt verteilt mit allerhand Trophäen bedacht (siehe Seite 4).

Am Donnerstag präsentierte der Falter Verlag im Hotel am Brillantengrund gemeinsam mit der IG Kaufleute Westbahnstraße und der IG Kaufleute Kaiserstraße das neue Magazin Best of Neubau. Das Heft soll ziemlich alles erklären, was man über den Siebenten wissen muss, und enthält neben Tipps von dort wohnenden Promis wie Kurt Palm, Marianne Kohn und Tarek Leitner einige schön erzählte Stadtspaziergänge. Für Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger war's ein Grund zum Feiern. Die Brötchen waren wie kleine Kebabs.

Am Sonntag war der Falter dann Gastgeber einer Podiumsdiskussion bei der Literaturmesse Buch Wien. Anlass war das Erscheinen des neuen Jüdischen Echo mit dem Leitthema "Bedrohungen, Feindbilder, Sündenböcke -wie die Furcht vor dem Fremden die Empathie tötet". Ein sehr gescheites Gespräch darüber führten der Echo-Chefredakteur Erhard Stackl, die Doyenne der Auslandskorrespondenten des ORF, Susanne Scholl, und der langjährige Chefredakteur der Jerusalem Post, Ari Rath.

Und was beim traditionellen Falter-Ganslessen zu Martini passierte, bei dem jedes Jahr alle Redakteure, Autoren und Autorinnen zusammenkommen, bleibt beim traditionellen Falter-Ganslessen zu Martini. Sorry.

Die Wiener Stadthalle verlor sich vergangene Woche Dienstag in Ekstase, als tausende blutjunge Menschen die Ankunft des kanadischen Sing-and-Dance-Man Justin Bieber erwarteten. Während sie Bieber in der Kälte des Abends herbeizuschreien, -singen und -fotografieren versuchten, bereitete sich ein paar Gürtelkreuzungen weiter eine aber so was von komplett andere Poperscheinung der vergangenen Jahre auf ihren großen Wien-Auftritt vor. Der schwer erklärliche Songwriter John Grant spielte sein erstes Konzert seit fünf Jahren in Wien.

Vorband waren unter anderem die überraschenden Folk-Freunde Tall Heights, deren Sänger Tim Harrington noch wenige Stunden vor den US-Wahlen verkündete, er würde direkt in Österreich bleiben, sollte Trump Präsident werden. Zu dem Zeitpunkt war das eher als Scherz gedacht.

Dann der große Grant, der US-Amerikaner, der in Island lebt und perfekt Deutsch spricht; der 48 ist, aber wie 38 aussieht; der sich, als er drogensüchtig und depressiv war, mit HIV infizierte und nun in schönem Bariton sehr lebhafte Texte über genau diese Dinge singt.

Ein Abend mit John Grant kann vieles sein, aber sicher nicht fad. Von den Balladen seines ersten Albums zum harten Elektro-Gestampfe des zweiten und allem dazwischen auf dem dritten bekommt man alles vorgelegt. Das eher lose besetzte Wuk wird im Laufe der Show vom innig lauschenden Piano-Konzertsaal zum lauten Dancefloor samt Nebel und Lasern und wieder retour.

Das Konzert war wirklich aufregend, aber traulich, es sind wieder nicht sehr viele Heteromänner dort gewesen. Falter-und Buchautorin Doris Knecht jedenfalls schien glücklich.


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