Film Festival

Eine Filmfestivalinstitution wird 25


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Ob er sich nicht daran erinnere, dass sie ihm früher oft Apfelkuchen gegeben habe, wenn er bei ihr klopfte, fragt Frau Rosenthal den jungen Nazi, der mit Verstärkung der Polizei in ihre Wohnung eingedrungen ist. Der Bursche, der die alte Dame als Kind in nachbarlicher Freundschaft besuchte, erstarrt. Bald danach ist Frau Rosenthal tot.

Vor der Kulisse eines Wohnhauses, in dem verschiedene Figuren Nazideutschlands beispielhaft versammelt sind - von der verfolgten Jüdin bis zu den begeisterten Nazis, vom Mitläufer bis zu menschlich integren Bürgern - erzählt Hans Fallada in seinem Roman "Jeder stirbt für sich allein"(1947) die Geschichte von Anna und Otto Quangel. Nachdem ihr Sohn gefallen ist, werden sie zu Regimegegnern und legen in Berlin Postkarten mit kritischen Botschaften aus. Vincent Perez hat das Buch, das auf der Biografie der Widerstandskämpfer Elise und Otto Hampel beruht, nun neu verfilmt. Kein großes, aber ein groß besetztes Werk mit Emma Thompson, Brendan Gleeson und Daniel Brühl.

Seine Österreich-Premiere hat "Jeder stirbt für sich allein" am 17. November beim Jüdischen Filmfestival Wien, das heuer sein 25-Jahr-Jubiläum feiert. Rund 70 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme werden gezeigt, die den Schwerpunktthemen "Jüdische Geiger","Israel Panorama","Wasser", "Diaspora/Shoah" und "Propaganda" zugeordnet sind. Neben überwiegend neuen Arbeiten aus den Jahren 2015 und 2016 finden sich im "Rückblick 25 Jahre JFW" ("Feivel, der Mauswanderer","Exodus","Yentl") sowie mit Vorführungen in memoriam Scholem Alejchem ("Tevya", "Fiddler on the Roof"), Ronit Elkabetz ("Hochzeit wider Willen") oder Imre Kertész ("Fateless") auch ältere Werke. Das Rahmenprogramm umfasst Vorträge, Diskussionen und Konzerte.

Bis 1.12. im Metro Kinokulturhaus, Votivkino und De France


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