Kommentar Preiskritik

Ein Buchpreis für rare Ekstasten scheint ein bisschen verblasen

Falter & Meinung | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Der Wahlausgang stand bereits am Abend des Dienstags vergangener Woche fest, war voraussehbar gewesen und hat niemanden schockiert: Für ihr Buch "fleurs" wurde Friederike Mayröcker der erstmals vergebene und mit 20.000 Euro dotierte Österreichische Buchpreis zuerkannt. Die 150 Seiten starke Sammlung von Notaten aus den Jahren 2014/15 ist damit quasi offi ziell "das beste deutschsprachige Werk" einer österreichischen Autorin (Autoren sind natürlich mitgemeint) und ergo am geeignetsten, "die Qualität und Eigenständigkeit der österreichischen Literatur zu würdigen", wie dies die Statuten vorsehen.

Nun ist die Eigenständigkeit Mayröckers ebenso unbestritten wie altbekannt. Seit vielen Jahren weht es die magischen Blätter der Dichterin aus den Wäschekörben ihrer vielfach fotografierten Messie-Wohnung nach Frankfurt, wo sie zwischen zwei Buchdeckel gepresst werden und als "études","cahier" oder "fleurs" ausgeliefert werden -als "freudebringende Lektüre für alle langjährigen Mayröcker-Leser",


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