Tiere

Glibbereien

Falters Zoo | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016


Ballastwasser. Das klingt nach einer neuen Marketingidee, um Mineralwasser ein gesundheitsförderndes Prickeln zu verleihen. Das wäre ebenso teuer wie sinnlos, aber wenigstens ohne weitere Auswirkungen.

Viel gefährlicher ist jenes Ballastwasser, das in den Stahltanks der riesigen Frachtschiffe zur Stabilisierung mitgeführt und weltweit in den Häfen entleert wird. Ein normales Containerschiff verbreitet so bei jeder Fahrt zehntausende Kubikmeter Meerwasser samt eingesaugten Lebewesen. Gäbe es eine verrückte Organisation, deren Ziel es wäre, Fische, Krabben, Muscheln und andere Tiere kreuz und quer über den Globus zu verteilen, dann könnte sie es nicht besser organisieren: Das Spiel heißt Ökologisches Roulette, und im Unterschied zur russischen Variante wird jeder dabei sicher verlieren. Was sind die Folgen, wenn zum Beispiel ein Frachter sein Ballastwasser mit verwesenden Organismen und tropischen Bakterien aus dem Gangesdelta an den Stränden der Nordsee freisetzt?

Jene Lebewesen, die sowohl das Einsaugen als auch die wochenlange Reise in lichtlosen Tanks überstehen, sind hart im Nehmen und verdrängen in ihrer neuen Heimat oft die ansässige Fauna. „When the going gets tough, the tough get going!“, meint dazu der neoliberale Tierfreund.

Umso überraschter war ich, als ich las, dass es jetzt dem Tiergarten Schönbrunn als zweitem Zoo der Welt geglückt ist, die Meerwalnuss zu züchten. Biologen ist diese als Mnemiopsis leidyi bekannt, die aus subtropischen Gewässern der Neuen Welt zuerst ins Schwarze und dann ins Kaspische Meer verschleppt wurde. Diese Rippenquallen fressen Fischeier und reduzierten aufgrund ihrer explosionsartigen Vermehrung die dortigen Fischbestände um 90 Prozent. Wie kann dann die Nachzucht eine Herausforderung sein? Quallen, Wasser, Futter – und los geht’s! Oder? Anton Weissenbacher, Leiter des Schönbrunner Aquarienhauses, hat mir das Problem erklärt: Die Quallenlarven müssen von vielen Futtertieren umgeben sein und brauchen gleichzeitig eine gute Wasserqualität. Normale Wasseraufbereitungsanlagen sind zu schnell und spülen das Plankton weg. Wie das technisch genau gelöst wurde, kann man sich im Aquarienhaus ansehen. Manchmal ist es auch gut, wenn Wildtiere im Zoo gehalten werden.


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