Landrand Ruralismus

Sie ist wieder da, ja!

Landleben | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Guten Morgen, strahlte die neue Verkäuferin der städtischen Backfiliale in der Früh. Mei, so sind sie eben, sagte sie nachmittags angesichts grantelnder Kinder und steckte ihnen eine Semmel zu. "Auch noch unterwegs?", hieß es abends. Nach kurzer Zeit kannte sie alle Stammkunden und die anderen auch. Bald wusste man über die Familienverhältnisse Bescheid, wer warum Stress gehabt hatte und darniedergelegen war. Ohne dass man hinterher recht wusste, wie's zugegangen war.

Die Städter leben auch deswegen in der Stadt, weil es da angenehm anonym zugeht. Manchmal aber schielen auch sie nach ländlichen Gepflogenheiten. Dass man in ein Geschäft kommt und erkannt wird, weil man mit der Verkäuferin in die Volksschule gegangen ist oder sie die Mama kennt oder einen halt schon oft genug gesehen hat. Dass sich jemand merkt, dass man ganz viele Gurkerln in den Kornspitz will.

So was mögen Stadtleute dann doch, auch wenn sie es unterschiedlich zum Ausdruck bringen. Als die Verkäuferin einmal nach längerer Abwesenheit wieder zurück war, rief sie einer sehr alten Frau entgegen: "Ich bin wieder da!""Mocht nix", sagte die freundlich.


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