Loebenstein wird neuer Direktor des Filmmuseums

GLÜCKWÜNSCHE: MICHAEL OMASTA | Feuilleton | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Die seit Montagfrüh offizielle Bestellung eines neuen Direktors für das Österreichische Filmmuseum ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen, weil Alexander Horwath, der die renommierte Institution seit 15 Jahren leitet, seinen Posten aus freien Stücken zurücklegt. Zum anderen, weil mit Michael Loebenstein rechtzeitig ein mehr als kompetenter Nachfolger gefunden wurde.

Sein zentrales Forschungsinteresse, das sich u.a. in gemeinsamen Projekten mit dem Historiker Siegfried Mattl herauskristallisierte, gilt dem Ephemeren der Filmgeschichte; seine Arbeiten sind stärker medientheoretisch als nur filmhistorisch fundiert, was in Anbetracht der industriellen Neudefinition des Filmischen durch die Digitalisierung gewiss von Vorteil ist.

Loebenstein, 42, der Sohn eines bekannten Wiener Urologen, hat Theaterwissenschaft, Philosophie und Publizistik studiert, ehe er im Jahr 2000 zur Filmredaktion des Falter stieß und mit seinen Kritiken bereicherte. Daneben war er Mitbegründer der Halbjahresschrift kolik film und Kurator von (Dokumentar-)Filmreihen. Ende 2004 holte ihn Horwath, um die Vermittlungs- und Forschungsabteilung des Filmmuseums aufzubauen, Buch- und DVD-Publikationen zu betreuen - eine Fülle von Aufgaben, die ihn an die Grenzen der Belastbarkeit führte.

Ohnedies strebte Loebenstein, ein äußerst umgänglicher Mensch und versierter Netzwerker, schon bald nach Höherem. 2008 bewarb er sich um die Leitung des Wiener Stadtkinos (das Rennen machte Ex-Standard-Journalist Claus Philipp). Mit der Veröffentlichung des Buches "Film Curatorship" (im selben Jahr mit Horwath, David Francis und Paolo Cherchi Usai herausgegeben) machte er sich auch international einen Namen.

2011 verließ Loebenstein das Haus und übernahm die Geschäftsführung des National Film and Sound Archive in Canberra, 2013 zudem das Generalsekretariat der weltweiten Archivvereinigung FIAF. Ab 1. Oktober kommenden Jahres wird er die Geschicke des Filmmuseums leiten. Dafür, lieber Michael, alles Gute!


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