Am Apparat Telefonkolumne

Wofür bekommen die Unis Spenden, Herr Scholz?

Politik | INTERVIEW: NINA BRNADA | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Die österreichischen Hochschulen bekommen Geld von privaten Sponsoren, sie weisen diese Einkünfte aber nicht oder nur sehr mangelhaft aus. Nun will die NGO Transparency Österreich gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium eine Studie durchführen, um mehr über Summen und Zwecke dieser privaten Zuwendungen in Erfahrung zu bringen. Markus Scholz, Professor für Corporate Governance und Wirtschaftsethik an der Fachhochschule Wien, leitet die Arbeitsgruppe und erklärt, worauf es in dieser Causa ankommt.

Herr Scholz, wie schwer ist es, herauszufinden, wie viel Spenden österreichische Hochschulen bekommen und wie genau sie diese eigentlich einsetzen?

Allgemein zugängliche Informationen auf Homepages der Einrichtungen sind bisher recht wenige zu finden. Wenn überhaupt, sind sie kaum aussagekräftig. Wir sind gerade dabei, mittels Fragebögen mehr herauszufinden. Bis jetzt können wir noch wenig über die Kooperationsbereitschaft der Einrichtungen sagen, Ergebnisse wird es erst im Jänner geben.

Ist es aus Ihrer Sicht prinzipiell verwerflich, als Hochschule Geld von privaten Sponsoren anzunehmen?

Da ist überhaupt nichts Verwerfliches daran, Unternehmen haben ja eine gesellschaftliche Verantwortung und es ist gut, wenn sie sich finanziell in Forschungsprojekte einbringen. Im Gegenteil, Spenden sind sogar erwünscht und notwendig. Ich selbst habe ebenfalls eine Stiftungsprofessur. Problematisch wird die Sache erst dann, wenn es kaum Informationen dazu gibt, wer wie viel gibt und wofür das Geld verwendet wird. In Großbritannien beispielsweise ist man da schon um einiges weiter als hier in Österreich.

Was soll auf Ihre Studienergebnisse folgen?

Grundsätzlich kann man jetzt schon sagen, dass es für den Hochschulbereich so genannte Compliance-Regeln braucht, so wie es sie in vielen anderen Bereichen auch gibt. Sie sind wichtig, um Orientierung zu haben, um beispielsweise zu wissen, was im Fall eines Interessenkonflikts zu tun ist.


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