Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Altpopulisten

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Populistische Verführer, Neoliberalismus - alles vor 20 Jahren im Falter. Jörg Haider hielt einen FPÖ-Parteitag in Feldkirch ab, und wieder einmal stellte sich das Wahrheitsproblem in seither weltweit bekannter Form: Man kann denen nichts glauben. Jörg Haider hatte gerade der Deutschtümelei, also dem Altnazitum, abgeschworen und wollte die Partei in die Mitte führen. Das könnte ihm auch gelingen, erklärten Christoph Hofinger und Andreas Ogris vom Institut Sora, er braucht bloß nach links zu rücken. Die ÖVP attackierte er ohnehin, und die SPÖ wollte er als Kreisky-Erbe links überholen. Wo blieben da die Deutschtümler, fragten Thomas Seifert und Doris Knecht leicht verdutzt. Die beiden berichteten vom Parteitag, und Martin Staudinger hatte eine Antwort: "Haider weiß, wie er das ,Dritte Lager' bei Laune hält und gleichzeitig seine neuen Wähler anspricht." SS-Veteranen lobte er für den Anstand, ihrer Überzeugung treu geblieben zu sein. Zugleich bezog er sich auf die bürgerliche Revolution von 1848, der Grundlegung für alle modernen politischen Strömungen, mit Ausnahme der christlich-konservativen. Das erklärte Andreas Mölzer, zuständig für Junge Freiheit.

Ja, die Freiheit war auch einmal jung, und mit den Tatsachen nahm es die FPÖ nie sehr genau. Doris Knecht fragte eine junge blaue Karrierefrau angesichts des fast frauenfreien Saals, ob diese als Frauenköder diene. Denn "unter den Delgierten sind die Frauen aber in der Minderzahl". Nein, antwortet die Jung-FPlerin: "Das sehe ich nicht so." Sie hieß Susanne Riess-Passer.

Der deutsche Politologe Claus Leggewie befasste sich mit den USA. Leggewie lehrte damals dort und beobachtete -es war der Höhepunkt von Bill Clintons Macht - wie "der ohnehin bescheidene Wohlfahrtsstaat" in den letzten Jahren weiter abgebaut wurde. Den sozialen Probleme sei nur abzuhelfen, wenn sich "die Regierungen ihrer sozialen Verantwortung auf allen Ebenen stellen".

Wie Trumps Wahl und die ihr zugrunde liegenden Motive gezeigt haben, ist genau das nicht geschehen.


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