Ein liebenswerter Film über liebenswerte Menschen

JP | Feuilleton | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Paterson (Adam Driver) ist Busfahrer. Mit seiner Gattin Laura (Golshifteh Farahani) lebt er ein beschauliches Leben, dessen täglicher Ablauf nur in Details variiert. So steht er jeden Tag kurz vor sechs Uhr auf, frühstückt, packt seine liebevoll hergerichtete Jausendose ein, setzt sich in seinen Bus, schreibt ein kurzes Gedicht, in das seine Alltagsbeobachtungen, die Liebe zu Frau und Welt hineinfließen, fährt Bus.

Um 18 Uhr kommt er heim, abends geht er mit Marvin, der englischen Bulldogge, eine Runde um den Block und dann auf ein Bier. Seine hinreißende Frau verbringt den Tag mit künstlerischen Projekten, die alle ein Erfolg sind, lernt Gitarre, bäckt Cupcakes, bemalt fast das ganze Haus in Mustern in Schwarzweiß.

Das alles klingt beinah lähmend unspektakulär und ist in etwa so spannend wie eine Folge der 1980er-Sitcom "Cheers", doch die Spannungslosigkeit ist Kalkül und Weltanschauung gleichzeitig. "Wir haben versucht, einen Film zu machen, der vorsätzlich unbedeutend war. Ohne Drama, Konflikt und Action", sagt Jarmusch selbst.

Ein liebenswerter Film über liebenswerte Menschen, denen niemand etwas Böses will. Das bleibt erstaunlich lange im Gedächtnis und ist, da geht Jarmuschs Didaktik auf, tatsächlich rar. Auffällig ist bei aller gelebten künstlerischen Freiheit des Paares nur der für Punkrocker Jarmusch dann doch erstaunlich konservative Lebensentwurf, aber vielleicht ist auch das eine Form von Altersmilde.

Ab 18.11. in den Wiener Kinos (OmU im Votiv)


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