Zeit am Schirm

Medien | BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Es ist die Wahlnacht in den USA, und man sitzt in einem Pariser Hotelzimmer. Das WLAN ist noch lahmer, als es Anfang der 2000er je gewesen sein kann. Es gibt nur einen Ausweg: TV. Die Franzosen lassen dem fremdsprachigen Gast wenig Auswahl: Russia Today, Rai und CNN International. Pest oder Cholera.

Die Entscheidung fällt dementsprechend schnell. Es ist hier in Europa kurz nach Mitternacht, da sind sich Studiogäste, Reporter, Analysten und Anchors noch einig und lassen sich gemeinsam feste über Donald Trump, die unsägliche Witzfigur, den rassistischen, sexistischen Prolo, aus. Man dreht den Fernseher mit dem sicheren Gefühl ab, dass es zwar knapp werde, aber Hillary gewinnen werde. Alles wird gut. Der Gedanke lässt einen einschlafen. Keine fünf Stunden später dreht man wieder auf, die Welt ist eine andere: Trumps Sieg steht so gut wie fest, und Studiogäste, Reporter, Analysten und Anchors sind sich wieder einig: Man müsse es schon anerkennen - dieser Mann habe einen genialen Wahlkampf geführt. Werden Jobverhandlungen in der Ära Trump im TV geführt?


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