Kommentar Cybermobbing

Gewaltvideos auf Facebook: Wer belangt die Facebook-Manager?


FLORIAN KLENK
Falter & Meinung | aus FALTER 46/16 vom 16.11.2016

Ein verstörendes Gewaltvideo beherrscht derzeit die "sozialen" Medien. Man sieht, wie ein 15-jähriges Mädchen von vier Jugendlichen (darunter drei Mädchen) in Wien verprügelt wird. Das Mädchen erhält Schläge ins Gesicht, bis der Kiefer bricht.

Es ist auch der Polizei - die die Täter ausgeforscht hat - unklar, worin die Motivation der Täter lag. War es ein Bestrafungsritual? Ein Aufnahmeritual? Das Opfer wehrte sich nicht.

Ein Jugendgerichtsverfahren wird es klären. Die Täter werden möglicherweise Haftstrafen, im besten Falle aber eine Antiaggressionstherapie und jahrelange Bewährungshilfe bekommen.

Was man auf dem Video zu sehen bekommt, ist für Jugendrichter vermutlich nichts Überraschendes. Dass sich Kinder verprügeln und erniedrigen, kennen wir seit dem Schüler Gerber.

Neu sind die Reproduzierbarkeit der Tat und die Möglichkeit, dass man sie öffentlich kommentieren kann. Ein Mädchen hat das Video auf Facebook geteilt, und 3,3 Millionen haben es aufgerufen, 21.000 Menschen kommentiert (und dort ihren Vergewaltigungsfantasien freien Lauf gelassen).

Das wirft grundsätzliche Fragen auf: Gedemütigt wird ja nicht nur das Opfer, das, weil minderjährig, unter dem besonderen Schutz der Gesetze steht. Gefährdet werden auch die Jugendlichen, die zu bestrafen sind. Ihre Adressen wurden öffentlich gepostet. Während der Staat die Resozialisierung dieser Jugendlichen anstrebt, werden sie vom Facebook-Mob an den Pranger gestellt. Facebook macht sich daran mitschuldig, denn das Video wird seit Tagen nicht entfernt. Es wird Zeit, dass die Facebook-Manager wegen mutmaßlicher Beihilfe zum Cybermobbing belangt werden.


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